Old Operating Theatre Museum and Herb Garret

Der Operationssaal mit den Stehpulten für die Medizinstudenten.

Name: The Old Operating Theatre Museum and Herb Garret
Was ist es: Medizin-Museum bzw. lange verschollener Operationssaal und eine Apotheke im Dachstuhl.

Der Operationssaal aus 1822 ist der älteste seiner Art in ganz Europa und der einzige überlebende OP-Saal aus dem 19ten Jahrhundert im vereinigten Königreich. Er war ursprünglich Teil des alten St. Thomas Hospital und befindet sich im „Herb Garret“, dem Kräuter-Dachboden der St. Thomas Church. Das mag sich zunächst wunderlich anhören, ist es aber nicht, denn der Südflügel des St. Thomas Hospital wurde um die St. Thomas Kirche herum gebaut.
Hier wurden primär Frauen operiert (die Frauenstation lag gleich nebenan) und für die Männer gab es einen eigenen Saal. Frauen, die hierherkamen, waren nicht reich. Die Reichen konnten sich Operationen zuhause leisten.
Von Medizinstudenten wurde erwartet, dass sie bei laufenden Operationen zusehen. Daher befinden sich im Saal diverse Stehplätze, von denen die Studenten die laufende Operation betrachten konnten.
Bis 1846 gab es keine Anästhesiemittel, man nutzte Ether und Chloroform. Das Operating Theatre wurde geschlossen bevor die sterile Chirurgie erfunden wurde. Die meisten hier ausgeführten Operationen waren daher Amputationen, da man diese auch ohne Antiseptikum durchführen konnte. Innere Operationen hat man hier nicht durchgeführt, da dies zu gefährlich war.
Als das St. Thomas Hospital 1862 nach Lambeth umzog wurde das Operating Theatre teilweise abgerissen und der Eingang vom Krankenhaus auf den Dachboden verschlossen. Man hatte die Existenz zwar nicht komplett vergessen (es wurde immer wieder in Publikationen genannt und auch das Oberlicht konnte man noch sehen), dennoch ist es aber fair zu sagen, dass man es ein wenig aus den Augen verlor. Das änderte sich, als Raymond Russell 1956 die Geschichte erforschte und sich auch vor Ort auf die Suche begab. Er fand zunächst einen dunklen Raum (das Oberlicht war komplett verschmutzt) den die Zeit zwar mitgenommen hatte, aber man begann dennoch mit umfangreichen Renovierungsarbeiten. Zwischen 1957 bis 1962 ersetzte man u.a. das Glas und da man aufgrund farblicher Veränderungen am Boden sogar noch erkennen konnte wo die Stehplätze ehemals standen, konnte man diese sogar wieder naturgetreu errichten. Am 27.10.1962 wurde das „Operation Theatre of Old St. Thomas‘ Hospital“ wiedereröffnet.
Der Dachboden wurde damals von der St. Thomas‘ Apotheke vermutlich zur Lagerung von Kräutern verwendet, die man vor Ort für Medizin benötigte. Dafür hätte er sich gut geeignet, denn hier oben gab es nicht so viele Ratten wie z.B. in einem feuchten Keller. Während der Renovierungsphase wurden allerdings nur 4 Mohnblumen gefunden, die diese Annahme stützen können. Mohn wurde damals zur Herstellung von Opium benötigt. Was wirklich hier oben gelagert wurde, bleibt daher ein Geheimnis.

Der Dachboden beherbergt heute eine Sammlung an Kräutern, Heilmitteln, Blumen und Büchern, die zur damaligen Zeit in der Medizin genutzt wurden bzw. werden.

Am 27.10.2012 feierte das Museum seine 50-jährige Eröffnung.

Adresse: 9a St. Thomas Street, SE1 9RY London
Wie kommst du hin: Ubahn Haltestelle „London Bridge“ auf der schwarzen Northern Line, dann der Beschilderung Richtung „The Shard“ folgen, den Shard links liegen lassen und nach rechts abbiegen. Das Museum befindet sich auf der rechten Straßenseite in einer „English Barock“ Kirche.
Öffnungszeiten: täglich 10.30 bis 17 Uhr ABER derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Wiedereröffnung im Sommer 2017
Eintrittskosten: £6.50 (Stand Mai 2016)
Link zur Homepage: hier klicken
Totally-London-Tipp: HINGEHEN!

 

Der Operationssaal mit den Stehpulten für die Medizinstudenten.

Der Operationssaal mit den Stehpulten für die Medizinstudenten.

Das "Old Operating Theatre Museum and Herb Garret" befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft von "the Shard"

Das „Old Operating Theatre Museum and Herb Garret“ befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft von „the Shard“

Eins der Ausstellungsstücke im Museum, ein Anatomiebuch aus 1756

Eins der Ausstellungsstücke im Museum, ein Anatomiebuch aus 1756

Die Ärzte trugen damals dunkle Mäntel, was ihnen Würde und Authorität verleihen sollte. Aufgrund strengerer Hygienevorschriften tragen Ärzte heute weiß

Die Ärzte trugen damals dunkle Mäntel, was ihnen Würde und Authorität verleihen sollte. Aufgrund strengerer Hygienevorschriften tragen Ärzte heute weiß

Im Dachboden befindet sich eine Ausstellung mit medizinischen Geräten, Kräutern, Gewürzen und anderen Gegenständen der Medizin aus der damaligen Zeit

Im Dachboden befindet sich eine Ausstellung mit medizinischen Geräten, Kräutern, Gewürzen und anderen Gegenständen der Medizin aus der damaligen Zeit

Zimtwasser als Heilmittel bei Asthma

Zimtwasser als Heilmittel bei Asthma

Sehr schmale Stufen führen im engen Treppenhaus zum Eingang des Museums. Wie gut, dass kein Patient diese Treppe je benutzen musste.

Sehr schmale Stufen führen im engen Treppenhaus zum Eingang des Museums. Wie gut, dass kein Patient diese Treppe je benutzen musste.

This post is also available in: enEnglish

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.