Last Updated on 24. Dezember 2024
Arrr, ihr Matrosen und Landratten! Wusstet ihr, dass ein echtes (naja, fast echtes) Piratenschiff in London vor Anker liegt? Direkt an der Themse, versteckt zwischen modernen Gebäuden, könnt ihr die Golden Hinde entdecken – eine detailgetreue Nachbildung des Schiffes, mit dem Sir Francis Drake im 16. Jahrhundert einmal um die Welt gesegelt ist!
Ein bisschen Geschichte gefällig?
Wer war Francis Drake?
Sir Francis Drake war vieles: der erste Engländer, der die Welt umsegelte, ein furchtloser Entdecker und der Schrecken des spanischen Kolonialreichs. Mit Überfällen auf Schiffe, Häfen und Goldtransporte wurde er reich – und berühmt.
- Sir Francis Drake von Jodocus Hondius (cc) Creative Commons
1577 startete Drake mit fünf Schiffen zur Weltumsegelung. Mit der Golden Hind (ja, damals ohne „e“) durchquerte er die Magellanstraße, entdeckte, dass Feuerland das südliche Ende Südamerikas ist, und plünderte die Westküste. Sein spektakulärster Fang: ein spanisches Schiff mit 26 Tonnen Silber, 40 Kilo Gold und Kisten voller Juwelen. In Kalifornien nahm er „Nova Albion“ für England in Besitz, bevor er über den Pazifik und das Kap der Guten Hoffnung nach Hause segelte. Die Beute brachte seinen Investoren satte 5000 % Gewinn – und ihm selbst Adelstitel und Ruhm.
Doch Drake war nicht nur Entdecker und Pirat. 1588 bewies er sein strategisches Geschick im Kampf gegen die Spanische Armada und verhinderte eine Invasion Englands. Mit seiner Mischung aus Draufgängertum und Strategie trug er maßgeblich dazu bei, dass England als aufstrebende Seemacht angesehen wurde.
Auch nach zahllosen Abenteuern konnte er nicht stillsitzen. 1595 zog er noch einmal mit einer Flotte in die Karibik, doch ein letzter Raubzug in Panama scheiterte. Kurz darauf – am 27. Januar 1596 – verstarb er an einem Fieber. Mit letzter Kraft bestand er darauf, in seiner Rüstung zu sterben, er wollte als Krieger sterben. Seine Crew beerdigte ihn wurde auf See in einem bleiernen Sarg.
Francis Drake und Elizabeth I
Das Verhältnis zwischen Francis Drake und Königin Elizabeth I. war von gegenseitigem Nutzen und klammheimlicher Bewunderung geprägt. Offiziell distanzierte sich die Queen von Drakes Piraterie, doch inoffiziell unterstützte sie seine Beutezüge gegen Spanien, ihren größten Rivalen.
Drake brachte ihr nicht nur immense Schätze, sondern fügte auch dem spanischen Kolonialreich empfindliche Schäden zu – ein heimlicher Triumph für Elizabeth. Sie belohnte ihn großzügig: Nach seiner Weltumsegelung schlug sie ihn zum Ritter, und Drake avancierte vom Piraten zum nationalen Helden. Ihre Allianz war eine perfekte Mischung aus politischem Kalkül und persönlicher Wertschätzung.
Die Nachbildung der Golden Hinde
Das Originalschiff von Drake konnte nicht für die Nachwelt erhalten werden, es rottete 1662 dahin.
Aber in vielen Jahren der Recherche wurde der Nachbau so detailgetreu wie möglich erbaut. Sogar die Bauarbeiten wurden nach Methoden der damaligen Zeit in Devon vorgenommen.
Die Nachbildung des Schiffes wurde 1973 fertiggestellt und hat seitdem selbst schon über 140.000 Seemeilen zurückgelegt – unter anderem war sie in 50 Häfen weltweit zu Gast! Die Crew, die zu dieser Zeit an Bord war, lebte unter den gleichen Bedingungen, wie es die Drake’sche Crew getan hatte. Einziger Unterschied: Zur Drakes Zeiten gab es ca. 60 Personen an Bord, in den modernen Zeiten bestand die Crew nur noch aus 10 bis 12 Personen.
- Die Golden Hinde – Londons Piratenschiff
Seit 1996 liegt die Golden Hinde fest in London, in direkter Nachbarschaft der Southwark Cathedral, wo du sie besichtigen kannst. Seit 2017 laufen umfangreiche Restaurierungsarbeiten, da auch das jetzige Holz schwächer wird und beginnt, zu verrotten. Daher wirst du fast immer ein Gerüst nahe oder ums Schiff sehen, was aber den Besuch nicht schmälert.
- Die Golden Hinde steht inmitten von Gebäuden
- Die Heckansicht der Golden Hinde
Was steckt hinter dem Namen Golden Hinde?
Der ursprüngliche Name des Schiffes war Pelican. Die Umbenennung erfolgte – eher ungewöhnlich – während der Einfahrt in die Magellanstraße als Teil der Weltumsegelung. Die genauen Gründe dafür sind nicht bekannt, man vermutet aber, dass der neue Name eine Anerkennung für Sir Christopher Hatton war, der eine goldene Hirschkuh (englisch Golden Hinde) in seinem Wappen führte und Drakes Expedition finanzierte. Das wiederum ist auch ungewöhnlich, weil Hatton nicht der einzige Förderer von Drake war. U.a. finanzierte auch Königin Elizabeth I mit.
Die Gründe für die Namensänderung sind unklar, werden aber häufig mit der Hinrichtung von Thomas Doughty, Hattons ehemaligem Sekretär, in Verbindung gebracht. Die zeitliche Nähe der Ereignisse legt nahe, dass der Namenswechsel möglicherweise als Geste der Besänftigung gegenüber Hatton erfolgte.
Du kannst die goldene Hirschkuh am Bug des Schiffes sehen, das ist der Teil, der den vorbeilaufenden Menschen im Dock zugewandt ist.
- Die goldene Hirschkuh
Die Golden Hinde in technischen Fakten
Aufgepasst, jetzt kommen ein paar nerdige Fakten um das Piratenschiff.
- Gesamtlänge: 37 m
- Schiffskörper (auf englisch hull): 31m
- Breite am breitesten Punkt: 6 m
- Höhe Hauptmast: 27m
- Geschwindigkeit: 5 Knoten = 9 km/h
- Kanonen: 22 insgesamt, verteilt auf den Oberdecken und im Kanonendeck
Was kann man auf der Golden Hinde erleben?
- Eine Reise in die Vergangenheit: Wandert durch die wirklich engen Gänge des Schiffes, spürt die knarzenden Dielen unter euren Füßen und erfahrt, wie das Leben an Bord damals wirklich war – Spoiler: Nicht gerade luxuriös. Und ich frage mich auch, wie rückenfreundlich so eine Reise war, denn selbst mit meinen „nur“ 1,65 m musste ich teilweise sehr gebückt gehen, um mir auf den Unterdecken nicht den Kopf zu stoßen.
- Führungen und Events: Für echte Abenteurer gibt es geführte Touren mit authentisch kostümierten Guides, die spannende Geschichten erzählen – inklusive der einen oder anderen Seemannslatein-Anekdote. Diese Führung kann ich nur empfehlen, denn viele Details wären mir sonst verloren gegangen. Man kann zwar einen Audio-Guide via QR Code runterladen, aber die Stimmung ist noch mal anders, wenn jemand live performt.
- Familienfreundlich: Perfekt für Kinder (oder für Erwachsene, die noch Kinder im Herzen sind). Ihr könnt Kanonen begutachten, die Kajüten erkunden und euch vorstellen, wie man bei rauer See versucht, sein Mittagessen nicht zu verlieren.
- Sonderveranstaltungen: Früher gab es manchmal Übernachtungen und Cocktailabende. Ob und wann die – aufgrund der Restaurierungsarbeiten noch stattfinden – prüft ihr am besten online auf der Webseite der Golden Hinde.
Nützliches für deinen Besuch
- Adresse: St Mary Overie Dock, Cathedral Street, London SE1 9DE
- Öffnungszeiten: Meistens 10:00–17:00 (im Sommer 18 Uhr) Uhr, aber checkt vorher die Website – das Schiff wird manchmal für private Events gechartert.
- Tickets: Erwachsene zahlen derzeit (Stand Dezember 2024) 6 Pfund, Kinder ebenfalls. Es gibt vergünstigte Familienkarten. Generell finde ich den Eintrittspreis eher günstig für Londoner Verhältnisse.
- Webseite: GoldenHinde.co.uk
Warum die Golden Hinde auf deine London-Liste gehört:
Weil sie ein Stück lebendige Geschichte ist – mit einem Hauch von Piratenromantik und Entdeckergeist. Und weil es einfach cool ist, auf einem Schiff zu stehen, das Geschichten von Schätzen, Seeschlachten und Weltreisen erzählt.
Also, packt euren Dreispitz ein und macht euch auf den Weg zur Golden Hinde – London wartet auf euch, ihr Seeräuber!
- Im Laderaum der Golden Hinde
- Hier speisten und tagten nur der Captain und seine engsten Berater
- Im Kanonenraum der Golden Hinde
- Hier schließen u.a. auch die Matrosen








