Last Updated on 12. Juni 2021

Als “Magnificent Seven” werden sieben Friedhöfe aus dem 19. Jahrhundert in London bezeichnet. Alle beeindrucken mit aufwändigen Grüften und Denkmälern.

Welche Friedhöfe gehören zu den Magnificent Seven?

Die sieben “großartigen” Friedhöfe sind:

Kensal Green Cemetery

Kensal Green eröffnete 1832 im Greek Revival Stil. Dieser Friedhof verfügt über die meisten Mausoleen in ganz Großbritannien. Hier liegen viele Mitglieder der britischen Aristokratie und u.a. Isambard Kingdom Brunel (der Erbauer des Thames Tunnels) begraben.

Es gab die Vermutung, dass auch Freddie Mercurys Asche hier aufbewahrt wird, also vor Jahren eine Gedenktafel mit seinem Geburts-und Todestag sowie seinem gebürtigen Namen entdeckt worden war: “In loving memory of Farrokh Bulsara, 5 Sept. 1946 – 24 Nov. 1991 pour etre toujours pres de toi avec tout mon amour – M.” Das M deuteten einige als Kürzel für Mary Austin. Freddie bezeichnete sie immer als seine Frau, auch wenn er mit Männern zusammen war. Sie erbte sein Vermögen und schwor, seine letzte Ruhestätte nie zu verraten. Daher scheint diese Theorie nicht zu stimmen. Auch die Gedenktafel ist nicht länger vor Ort.

West Norwood Cemetery

West Norwood Cemetery eröffnete 1832 im Neogotik Stil. Hier liegen neben Sir Henry Tate (dem Begründer der Tate) viele Mitglieder der griechischen Community begraben.

Highgate Cemetery

Der Highgate Cemetery wurde 1839 eröffnet und ist im Neogotik mit Elementen des alten Ägyptens erbaut. Vermutlich der bekannteste aller Magnificent Seven Friedhöfe. Das Areal besteht aus 2 Teilen, dem Western Cemetery mit der Egyptian Avenue und dem Eastern Cemetery, auf dem u.a. Karl Marx begraben liegt. Auch der Sänger George Michael liegt hier, allerdings in einem Grab ohne Grabstein, um auf Wunsch seiner Familie keine Fans anzulocken. Douglas Adams (per Anhalter durch die Galaxis) hat ein Grab mit Becher, in das Fans aus der ganzen Welt Stifte stellen.

Abney Park Cemetery

Abney Park Cemetery eröffnete 1840. Hier liegen u.a. die Begründer der Heilsarmee, General William and Catherine Booth, begraben und das Musikvideo von “Back to Black” von Amy Winehouse wurde hier gedreht.

Nunhead Cemetery

Nunhead Cemetery wurde ebenfalls in 1840 eröffnet. Er ist der zweitgrößte der Magnificent Seven Friedhöfe. Dennoch der, der am unbekanntesten ist. Von hier gibt es einen schöne Ausblick auf St Paul’s Cathedral.

Brompton Cemetery

Brompton Cemetery eröffnete 1840 und wird heute von den Royal Parks betreut. Das spiegelt sich in einer sehr gepflegten Anlage wieder. Erwähnenswert sind hier die Kapelle, die dem Petersdom in Rom nachempfunden ist und die alten Katakomben. Auf dem Friedhof liegen u.a. Emmeline Pankhurst und John Snow (der die Ursache von Cholera entdeckte).

Tower Hamlets Cemetery

Tower Hamlets Cemetery eröffnete 1841 und erlebte starken Beschuss im Zweiten Weltkrieg. Heute ist hier ein Naturschutzgebiet.

Wann wurden die Magnificent Seven eröffnet?

Die Magnificent Seven Friedhöfe wurden zwischen 1832 und 1841 eröffnet.

Warum wurden sie fast alle zur gleichen Zeit eröffnet?

Im 19. Jahrhundert explodierte die Einwohnerzahl Londons. Lebten um 1800 noch knapp eine Million Menschen hier, war die Zahl in 1850 bereits auf 2,3 Millionen gestiegen. Gleichzeitig waren die hygienischen Bedingungen sehr schlecht. Die Sterblichkeitsrate war hoch und die Friedhöfe erreichten ihr Limit. Es musste Platz geschaffen werden, um die vielen Toten ehrenhaft zu bestatten.

1832 entschied das Parlament sieben neue Friedhöfe anzulegen. Zwischen 1832 und 1841 wurden nach und nach alle Friedhöfe errichtet.

Konnte jeder auf einem der Magnificent Seven beerdigt werden?

Nein, die neu geschaffenen Friedhöfe waren für die Mittelschicht gedacht, die sich mit teils pompösen Gruften und Gräbern bewusst von der Arbeiterklasse abheben wollte. Mausoleen und Grüfte wurden als Erweiterung des bestehenden Wohneigentums angesehen, man wollte zeigen, was man hat (auch vom Jenseits aus).

Die Liste der berühmten Menschen, die in den Magnificent Seven beerdigt wurde, ist lang. So wurde z.B. Karl Marx in Highgate beerdigt, Isambard Kingdom Brunel liegt in Kensal Green und die Frauenrechtlerin und Suffragette Emmeline Pankhurst in Brompton begraben.

Das Design der “Gärten-Friedhöfe”

Bei der Gestaltung der Friedhöfe wurde Inspiration vom Pere Lachaise Friedhof in Paris gewonnen. Man brauchte ausreichend Platz für die Wägen, die die Särge transportierten, wollte aber auch bewusst kleinere Fußwege, damit der Friedhof auch als Park genutzt werden kann. Das Pflanzen von Bäumen und Büschen unterstützte die Idee, dass der Friedhof als eine Art großer Garten angesehen wurde, wo man sich bewegen und reflektieren konnte.

Verfall der viktorianischen Friedhöfe

Nach dem Zweiten Weltkrieg verfielen die Friedhöfe. Die Gelder waren nicht mehr vorhanden, um die großen Flächen zu betreuen und die Gräber verwilderten. Die Tore wurden zugeschlossen und die Friedhöfe dem Verfall überlassen. Gut, dass in den letzten Jahrzehnten die Bedeutung der Anlagen erkannt wurde und die Friedhöfe wieder in altem Glanz erstrahlen. Das ist vielen Freiwilligen zu verdanken, die hier regelmäßig Zeit verbringen.

Sind die Friedhöfe heute noch in Betrieb?

Teilweise sind die Friedhöfe immer noch in Betrieb. Dies gilt für Kensal Green, Highgate, Brompton und Nunhead.

Geschlossen sind Abney Park, West Norwood und Tower Hamlets (hier ist heute ein Park bzw. Naturschutzgebiet).

Unterstütze den Erhalt der alten Friedhöfe

Jeder der genannten Friedhöfe bieten Mitgliedschaften an. Mit deinem Beitrag trägst du u.a. zur Pflege der Gräber bei.

The Friends of Kensal Green, Friends of West Norwood Cemetery, Friends of Highgate, the Friends of Brompton, Friends of Nunhead Cemetery, Friends of Tower Hamlets Cemetery Park

Welchen der Magnificent Seven Friedhöfe hast du schon besucht? Sind das Orte, die du als Sehenswürdigkeit besuchst? Berichte mal in den Kommentaren unter diesem Post.