William Shakespeare hat die englische Sprache beeinflusst wie kein zweiter und viele seiner Stücke sind zeitlose Klassiker. Der aus Stratford-upon-Avon stammende Schriftsteller hat viele Jahre in London gelebt und gearbeitet und auch heute noch gibt es Orte, die an ihn erinnern bzw. mit ihm in Verbindung gebracht werden. Anlässlich seines Todestages am 23. April erkunden wir die Stadt auf seinen Spuren. Aber zuerst polieren wir unser Wissen über William Shakespeare gemeinsam auf.

Wer war William Shakespeare?

William Shakespeare wurde als Kind von John Shakespeare und Mary Arden in Stratford-upon-Avon geboren. Sein Geburtstag ist nicht bekannt, viele nennen daher sein Taufdatum, den 26. April 1564, als Geburtsdatum.

Mit Frau Anne Hathaway hat er insgesamt 3 Kinder: Tochter Susanna und die Zwillinge Hamnet und Judith. Während der Sohn bereits mit 11 Jahren verstirbt, wachsen die Töchter heran.27

Der Geburtsort von Shakespeare in Stratford-upon-Avon kann heute noch besichtigt werden:

Ca. Mitte der 1580er zieht Shakespeare nach London und etabliert sich dort als Schriftsteller und Dichter, Schauspieler und Geschäftsmann. Er ist u.a. am Globe Theatre beteiligt.

Todesursache Shakespeare – unbekannt!

William Shakespeare starb am 23. April 1616 in Stratford-upon-Avon. Woran er starb, das lässt sich nicht so leicht sagen. Es gibt verschiedene Theorien: von Syphilis über Typhus, einer Grippe, erhöhtem Alkoholkonsum oder Drogenmissbrauch ist alles dabei.

Das verfluchte Grab von Shakespeare

Woran der Schriftsteller verstorben ist, könnte man vermutlich nur mit einer Autopsie herausfinden. Aber das traut sich keiner, denn Shakespeare hat sein Grab verflucht. Auf der Bodenplatte seines Grabes in der Holy Trinity Church in Startford-upon-Avon hat er folgendes eingravieren lassen:

„Good frend for Jesus sake forebeare,

To digg the dust encloased heare;

Bleste be the man that spares thes stones,

And curst be he that moves my bones.”

Wenn du das schon bemerkenswert findest, dann warte ab. Denn eine Untersuchung im März 2016 zeigte, dass sich gar kein Kopf in Shakespeares Grab befindet. Man hatte mit einem Radar durch den Boden das Grab abgesucht. Wo ist der Kopf?! Keiner weiß es!

Wo findet man Shakespeare in London?

In London hat Shakespeare über 20 Jahre gelebt und an vielen Orte ehrt man ihn noch heute:

  • Im Poet’s Corner der Westminster Abbey steht seit 1740 eine weiße Marmorstatue, die Shakespeare in Lebensgröße zeigt. Diese hat jedoch nur Erinnerungscharakter, denn sein Grab befindet sich in der Holy Trinity Church in Stratford upon Avon. Erschaffen hat diese Skulptur Peter Scheemakers.
  • Am Leicester Square steht die Kopie der Statue aus dem Poet’s Corner. Diese ebenfalls lebensgroße Marmorstatue wurde von Giovanni Fontana nach dem Original von Peter Scheemakers geschaffen. Sie ziert seit 1874 den zentralen Platz. Anders als bei der Originalstatue steht Shakespeare hier allerdings in einem kleinen Teich von Delfinen umgeben.
  • In der Love Lane bzw. im Love Lane Gardens steht eine Büste von Shakespeare, die allerdings als Memorial für seine Schauspielkollegen Henry Condell und John Hemmings gedacht ist. Die beiden waren maßgeblich daran beteiligt die Arbeiten von Shakespeare zu sichern und zu drucken. Ihnen haben wir das “First Folio” – das erste Gesamtwerke all seiner Dramen – zu verdanken. 1623, 7 Jahre nach seinem Tod, wurden darin 36 seiner Werke veröffentlicht. Das Werk ist besonders wichtig, denn von diesen 36 Stücken waren gerade mal 17 zu Shakespeares Lebzeiten veröffentlicht worden. Eins folgte nach seinem Tod, aber die übrigen 18 wären ohne die Arbeit von Condell und Hemmings für immer verloren gewesen. Man vermutet übrigens, dass von dem First Folio 750 gedruckt wurden. Von knapp 230 weiß man, dass sie immer noch existieren. 5 davon gehören der British Library.
  • In der Southwark Cathedral ist nicht nur Shakespeares Bruder Edmund begraben, es gibt hier auch eine Gedenkstätte für den Schriftsteller sowie gleich 3 aufwändige bunte Glasfenster, die mit Figuren aus Shakespeares Stücken geschmückt sind.
  • Shoreditch Theater: Im August 2018 wurden Teile eines ehemaligen Theaters in der Curtain Road in Shoreditch gefunden. Man weiß mittlerweile, dass sie zum “The Theatre” gehören, das 1576 als dauerhafte Bleibe für die Schauspieltruppe von James Burbage errichtet wurde. Dessen “The Lord Chamberlain’s Men” hatten ein berühmtes Mitglied – William Shakespeare. Das Theater wurde schon zur damaligen Zeit abgebaut (nach einem Streit mit dem Vermieter des Grundstücks) und das Holz auf die andere Themseseite zum Aufbau des Globe verwendet. Dennoch fanden die Archäologen in Shoreditch noch viele Gegenstände, die einen Einblick in das Theaterleben geben: Nussschalen, Obstreste und kaputte Bierkrüge. Es ist geplant eine Ausstellung vor Ort zu eröffnen. Derzeit gibt es aber erst mal nur ein Haus mit Szenen aus Romeo & Julia am Standort des ehemaligen Theaters.
  • In der National Portrait Gallery befinden sich 104 Portraits von William Shakespeare. Allerdings sagt man nur einem einzigen nach, dass es auch tatsächlich zu Lebzeiten von Shakespeare angefertigt wurde. Das „Chandos Portrait” wurde nach dem vorherigen Besitzer benannt und stammt vermutlich vom Maler John Taylor. Dieses Gemälde war übrigens das erste, das die National Portrait Gallery erworben hat, als sie 1856 gegründet wurde.
  • 1587 wurde das “The Rose” Theatre als erstes Theater auf der Bankside errichtet. Die Gegend war damals verrucht, außerhalb der Stadtmauern gab es hier Bordelle, Spielhöllen und eben auch das erste Theater. Der Erfolg vom „The Rose“ lockte weitere Spielstätten an dieses Themseufer, The Swan eröffnete 1595, The Globe 1599. Die waren langfristig erfolgreicher als The Rose und das Theater begann ab 1603 in Vergessenheit zu geraten. Durch Zufall entdeckte man die Ruine des Theaters 1989, als man Voruntersuchungen für den Bau eines Bürogebäudes machte. Mittlerweile konnten ¾ der ursprünglichen Fläche gesichert werden und damit auch über 700 Objekte, die aus dem Leben eines Theaters der damaligen Zeit berichten. Es wurde das “The Rose Revealed Project” gegründet und man ist dabei, das Theater langfristig zu sichern und ein Kunst- sowie ein Besucherzentrum zu integrieren. Im Sommer 2018 konnte man die Pacht des Grundstücks bis 2042 sichern. In den nächsten Jahren wird es hier bestimmt spannend. Bis dahin kann man aber auch jetzt schon kleineren Aufführungen folgen, Details auf der Homepage.
  • Das Shakespeare’s Globe ist ein Nachbau des ursprünglichen Theaters, das erstmalig 1599 an fast dieser Stelle errichtet wurde. Das Theater brannte 1613 nieder, wurde aber bereits im Folgejahr neu errichtet. 1644 wurde das Theater abgerissen. Den finalen Neuaufbau haben wir dem amerikanischen Schauspieler und Regisseur Sam Wanamaker zu verdanken. Der hatte bereits in den 1970ern den Wunsch das Original Globe Theater wiederaufzubauen. Bis sein Wunsch in Erfüllung ging, dauerte es über 20 Jahre. Die offizielle Eröffnung 1997 hat Wanamaker gar nicht mehr erlebt, er verstarb 1993. Im Shakespeare’s Globe befindet sich ein Museum mit Theaterrequisiten und Funden, die beim Bau des Theaters gefunden wurden. Highlight ist aber sicherlich das voll funktionsfähige Theater, das genau wie zu Shakespeares Zeiten errichtet wurde (gleiche Materialien und Bautechnik). Das bedeutet auch, dass nur wenige Plätze Sitze haben und überdacht sind. Der Großteil der Zuschauer steht um die Bühne herum, wird aktiv ins Geschehen eingebunden und muss dort auch den Gezeiten ausharren. Lediglich moderne Sicherheitseinrichtungen (Feuerlöscher und Notausgänge) lassen auf ein modernes Theater schließen. Daneben gibt es noch das überdachte Sam Wanamaker Playhouse, das erst 2014 eröffnete.
  • In Southwark zwischen Wagamama und dem Clink Prison Museum befindet sich übrigens das tolle Mural vom Künstler James Cochran aka Jimmy C, das ich für das Beitragsbild verwendet habe.
  • In der Tate Britain hängt ein Gemälde von Sir John Everett Millais, das Ophelia aus Shakespeares Hamlet zeigt. Es zeigt Ophelia auf dem Wasser treibend kurz bevor sie ertrinkt.
  • I am a weakish speller” ist ein Anagramm für William Shakespeare

Sprachgenie Shakespeare

Shakespeare war sehr wortgewandt. Seine Werke weisen eine hohe Anzahl an Wörtern auf, was zur damaligen Zeit ungewöhnlich ist. Aber er hat nicht nur einen großen Wortschatz verwendet; auch viele Begriffe, die wir heute ganz selbstverständlich nutzen, gehen auf Shakespeare zurück. So sind die folgenden Ausdrücke erstmalig in Shakespeares Werken vorgekommen.

  • Break the Ice
  • We have seen better days
  • The clothes make the man
  • It’s Greek to me
  • Jealousy is the green-eyed monster
  • The world is my oyster

Noch weitere Begriffe findest du auf der Homepage des Shakespeare Birthplace Trust.

Man darf zurecht sagen, dass Shakespeare die englische Sprache ganz maßgeblich geprägt hat und zu den wichtigsten Schriftstellern aller Zeiten gehört.

Die bekanntesten Werke Shakespeares

  • Ein Sommernachtstraum (A Midsummer Night’s Dream, 1595/96)
  • Viel Lärm um nichts (Much Ado about Nothing, ca. 1598/99)
  • Romeo und Julia (Romeo and Juliet, 1595)
  • Hamlet (Hamlet, Prince of Denmark, ca 1601)
  • König Lear (King Lear, ca. 1605) und
  • Macbeth (ca. 1608)

Insgesamt verdanken wir ihm 38 Dramen und 154 Sonette.

Kurioses über Shakespeare

  • Er hat sein Grab selbst verflucht
  • Sein Kopf liegt nicht im Grab
  • Hamlet und Much ado about nothing wurden auf Klingonisch übersetzt
  • 24 der 27 Monde des Uranus sind nach Figuren aus Shakespeares Stücken benannt. Die übrigen nach denen aus einem Gedicht von Alexander Pope
  • Es gibt zwei Stücke, die vermutlich von Shakespeare verloren gegangen sind: Love’s Labour’s Won und Cardenio
  • In den ersten Stücken von Shakespeare durften keine Frauen mitspielen. Weibliche Rollen wurden von Jungen gespielt. Die erste bekannte weibliche Besetzung wird auf den 8.12.1660 datiert. Im Stück Othello spielt erstmalig eine Schauspielerin, deren Namen hat man aber nicht notiert. Man kann daher vermuten kann, wer die Schauspielerin war.
  • Nur indirekt mit Shakespeare verbunden ist die Tradition des 12th Night Kuchen. Was es damit auf sich hat, findest du im passenden Post.
  • Wusstest du, dass Macbeth angeblich verflucht ist und man es deswegen nur als “Scottich Play” bezeichnet?
  • Glaubt man Verschwörungstheoretikern, dann hat Shakespeare seine Werke nicht selbst geschrieben. Für viele Jahre wurde Francis Bacon als wirklicher Autor gehandelt. Auf den gehen auch die ersten Versuche des Einfrierens zurück. Er hat im Januar 1626 ein Huhn nahe dem Pond Square in Highgate mit Schnee bedeckt und versucht einzufrieren. Dabei hat er sich so stark erkältet, dass kurz darauf verstorben ist. Einige behaupten, dass das Huhn immer noch am Teich rumspukt.