Last Updated on 4. Januar 2026

Das Banqueting House ist eines der faszinierendsten historischen Gebäude Londons: Museum, Galerie und Schauplatz eines der dramatischsten Momente der britischen Geschichte. Berühmt ist es vor allem für das monumentale Rubens-Deckengemälde – und als Ort, an dem König Charles I am 30. Januar 1649 hingerichtet wurde.

Das Gebäude – letzter Zeuge des Whitehall Palace

Der Whitehall Palace war einst der größte Palast Europas. Sein Herzstück: das Banqueting House – errichtet für prunkvolle Feste, Maskenbälle, diplomatische Empfänge und königliche Zeremonien.

Bereits zwei Vorgängerbauten gingen in Flammen auf:

  • 1581 ließ Queen Elizabeth I ein hölzernes Banqueting House errichten, das nach nur 25 Jahren abbrannte.
  • James I beauftragte 1609 einen Neubau, teilweise aus Stein – doch auch dieses Gebäude wurde 1619 durch ein Feuer zerstört.

Das heutige Banqueting House wurde zwischen 1619 und 1622 erbaut und steht damit seit über 400 Jahren. Es ist der einzige erhaltene Teil des einst riesigen Whitehall Palace, der am 4. Januar 1698 vollständig niederbrannte. Der Grund ist tragisch: eine Dienstmagd trocknete Bettwäsche auf einem Kohleofen. Das war an sich eine gängige Praxis, allerdings nur unter Beobachtung. Diese Magd verließ aber den Raum, die Leinen entzündeten sich und verursachten das schreckliche Feuer. Mehr Details zum Feuer findest du im passenden Post auf der Webseite der Historic Royal Palaces.

Der Architekt: Inigo Jones

Entworfen wurde das Gebäude von Inigo Jones, einem der bedeutendsten Architekten Englands. Mit seiner klaren, klassisch inspirierten Architektur hob sich das Banqueting House stark von den gotisch geprägten Gebäuden der Zeit ab.

Jones war tief beeindruckt von seinen Italienreisen und wollte die Ideen der Antike – insbesondere des alten Roms – nach London bringen. Unter James I war er übrigens nicht nur Architekt, sondern auch verantwortlich für die Bühnenbilder, Kostüme und Inszenierungen der berühmten höfischen Maskenbälle.

Das Rubens-Deckengemälde – ein einzigartiges Kunstwerk

1636 wurden die monumentalen Deckengemälde von Peter Paul Rubens angebracht. Thematisch lassen sie sich in drei Bereiche gliedern:

  1. Das Vermächtnis von James I († 1625)
  2. Die Vereinigung von England und Schottland
  3. Die Vorzüge einer weisen, gottgegebenen Herrschaft

In Auftrag gegeben wurden die Gemälde von Charles I, dem Sohn James’ I. Der Preis: rund 3.000 Pfund – eine enorme Summe für die damalige Zeit.

Ihre Einzigartigkeit liegt darin, dass es sich um das einzige Rubens-Deckengemälde handelt, das sich noch in seiner originalen Umgebung befindet.

Perspektive mit Symbolik

Die Bilder sind in drei Reihen angeordnet und rahmen ein zentrales Gemälde. Das erste Bild der mittleren Reihe ist so gestaltet, dass es der Besucher beim Eintreten sofort „richtig“ sieht. Am gegenüberliegenden Ende des Saals stand einst der Thron – das Bild darüber ist aus Sicht des Königs korrekt ausgerichtet. Für den Besucher steht es somit auf dem Kopf.

Kleine Anekdote: Rubens liebte große Formate – vergaß jedoch, dass Maßeinheiten in Flandern und England unterschiedlich waren. Seine Gemälde waren ursprünglich zu groß und mussten vor Ort angepasst werden.

Um die Kunstwerke zu schützen, stellte man die rußigen Maskenbälle später ein. Heute finden nur noch wenige, sorgfältig ausgewählte Events im Banqueting House statt. Die Einnahmen dienen dem Erhalt der Gemälde.

Im Undercroft – einst Trinkhalle und später berüchtigte Spielhölle von James I – befindet sich heute ein kurzer Einführungsfilm. Sehr empfehlenswert, um den Besuch im ersten Stock optimal vorzubereiten.

Der Hinrichtungsort von Charles I

Für Charles I ist das Banqueting House untrennbar mit seinem tragischen Ende verbunden. Nach Jahren des Machtmissbrauchs, der Schließung des Parlaments und einem verlorenen Bürgerkrieg wurde er wegen Hochverrats verurteilt. Am Vorabend der Hinrichtung durften ihn seine Kinder (9 und 13 Jahre alt) zum Abschiednehmen letztmalig sehen.

Am 30. Januar 1649 brachte man ihn durch das Banqueting House nach draußen – vermutlich waren die prachtvollen Rubens-Gemälde das letzte Schöne, das er sah. Vor dem Gebäude wartete bereits der Richtblock.

Da Charles als Verräter galt, war der Block niedriger als üblich – eine zusätzliche Demütigung.
Trotzdem bewahrte er Haltung: Aus Angst, sein Zittern könne als Furcht gedeutet werden (und nicht als klirrende Januarkälte), trug er zwei Hemden übereinander.

Mythos Uhrzeit

An der Uhr der gegenüberliegenden Horse Guards Parade ist bei etwa 14 Uhr ein dunkler Fleck zu sehen. Der Legende nach markiert er den Zeitpunkt der Hinrichtung – ob das stimmt, weiß heute niemand mit Sicherheit.

Der King’s Army March

Jedes Jahr am letzten Sonntag im Januar findet im Banqueting House eine Gedenkzeremonie für Charles I statt. Außen am Gebäude erinnert eine Büste des Königs an sein Schicksal.

Das Banqueting House in heutiger Zeit

Nach dem Großen Brand von 1666 diente das Banqueting House lange als Kapelle. 1893 übergab Queen Victoria das Gebäude zur musealen Nutzung. Bis 1962 war hier sogar das Militärmuseum des Royal United Services Institute untergebracht – inklusive des ausgestellten Skeletts von Napoleons Pferd.

Heute ist das Banqueting House für Besucher geöffnet. Der Fokus liegt klar auf dem Rubens-Deckengemälde:

  • Sitzkissen laden zum entspannten Betrachten ein
  • Bewegliche Spiegel ermöglichen Detailblicke auf die Decke – ganz ohne Nackenschmerzen

Praktische Infos

  • Adresse: Whitehall, London SW1A 2ER
  • Nächste Tube-Stationen: Westminster, Embankment oder Charing Cross
  • Öffnungszeiten: derzeit (Stand Januar 2026) ist das Banqueting House für Konservierungsarbeiten geschlossen. Infos dazu und Updates, wann wieder geöffnet wird, findest du zu gegebener Zeit auf der Webseite des Banqueting House.
  • Totally-London-Tipp:
    Das Banqueting House gehört zu den Historic Royal Palaces. Wenn du mehrere königliche Paläste besuchen möchtest, lohnt sich die Jahresmitgliedschaft – sie umfasst u. a. den Tower of London, Kensington Palace, Hampton Court Palace und Kew Palace.