Last Updated on 4. Januar 2026

Charles I war ein König aus der Stuart-Dynastie. Geboren am 19. November 1600, regierte er von 1625 bis 1649 als König von England, Schottland und Irland. Sein zunehmend autoritärer Regierungsstil und das jahrelange Zerwürfnis mit dem englischen Parlament mündeten 1642 im Englischen Bürgerkrieg. Nach seiner Niederlage wurde Charles I wegen Hochverrats verurteilt und am 30. Januar 1649 in London hingerichtet.

Wer war Charles I?

Geboren in Schottland, sprach Charles I sein Leben lang mit einem deutlichen schottischen Akzent und litt zudem an einem leichten Stottern. Der eher zierliche König wird von Zeitgenossen als zurückhaltend, still und in sich gekehrt beschrieben – zugleich war er jedoch ein tief religiöser Mensch. Charles war fest davon überzeugt, dass der König allein durch Gottes Willen zur Herrschaft bestimmt sei. Diese Vorstellung vom göttlichen Königtum prägte sein gesamtes politisches Handeln.

Immer wieder kam es zu schweren Spannungen mit dem Parlament. Als dieses ihm die finanziellen Mittel für militärische Unternehmungen verweigerte, empfand Charles dies als persönlichen Affront. Seine Reaktion war radikal: Er löste das Parlament auf – nicht nur einmal, sondern insgesamt drei Mal. Schließlich regierte er elf Jahre lang ohne Parlament.

Diese Phase betrachtete Charles rückblickend als seine persönliche goldene Zeit. Ohne politische Gegenstimmen widmete er sich seiner großen Leidenschaft, dem Kunstsammeln, ließ Straßen ausbauen und etablierte den ersten staatlichen Postdienst. Auch das monumentale Rubens-Deckengemälde im Banqueting House entstand in dieser Zeit. In der Bevölkerung stießen diese kostspieligen Projekte allerdings auf wenig Begeisterung – viele empfanden den König als arrogant und weltfremd.

Als Charles versuchte, anglikanische Glaubenspraktiken in der schottischen Kirche durchzusetzen, kam es zu einer religiösen Rebellion. Um diese niederzuschlagen, benötigte der König erneut Geld – und damit die Zustimmung des Parlaments. Nach elf Jahren berief er es widerwillig wieder ein. Doch auch diese Zusammenarbeit war nur von kurzer Dauer: Als ihm erneut finanzielle Mittel verweigert wurden, löste er das Parlament abermals auf.

Die Lage eskalierte endgültig. Das Parlament forderte die Kontrolle über Armee und Religionspolitik, Charles verweigerte jeden Kompromiss. Beide Seiten begannen, Truppen aufzustellen: Der König sammelte seine loyalen Anhänger, das Parlament rüstete ebenfalls auf. 1642 brach der Englische Bürgerkrieg aus.

Die parlamentarischen Truppen unter Oliver Cromwell, die sogenannten Roundheads, besiegten schließlich die royalistischen Cavaliers. Charles I wurde gefangen genommen. Für das Parlament war nun eine Grenze erreicht. Es schien nur noch zwei Möglichkeiten zu geben: Entweder man akzeptierte den Anspruch des Königs auf uneingeschränkte, gottgegebene Macht – oder man stellte ihn vor Gericht.

Charles I – Hinrichtung wegen Hochverrat

Die jahrelangen Konflikte zwischen Charles I und dem Parlament endeten am 27. Januar 1649 mit einem beispiellosen Urteil: Der amtierende König wurde als „public and implacable enemy to the Commonwealth of England“ verurteilt. Der Prozess fand in der Westminster Hall statt – dem ältesten erhaltenen Teil der heutigen Houses of Parliament. Charles I wurde des Hochverrats schuldig gesprochen.

Die Hinrichtung wurde auf den 30. Januar 1649 festgesetzt. Vor dem Banqueting House in Whitehall vollstreckte man das Urteil. Kurz zuvor soll Charles I die Worte gesprochen haben:

„I see all the birds are flown. I go from a corruptible to an incorruptible Crown, where no disturbance can be.“

Sein Leichnam wurde später in der St George’s Chapel in Windsor beigesetzt.

Kurioses Detail:
Charles I trug am Tag seiner Hinrichtung zwei Hemden übereinander, damit sein Zittern in der klirrenden Januarkälte nicht als Zeichen von Angst missverstanden werden konnte – ein letzter Versuch, Würde und Kontrolle zu bewahren.

In den folgenden zehn Jahren war England keine Monarchie mehr. Das Land wurde als Republik geführt, zunächst als Commonwealth und später unter der faktischen Militärherrschaft von Oliver Cromwell.

Königlicher Kunstsammler

Charles I war ein ruhiger, introvertierter Mann mit einer ausgeprägten Leidenschaft für die schönen Künste. Besonders während der Jahre, in denen er ohne Parlament regierte (1629–1640), investierte er enorme Summen in Gemälde und Skulpturen. In dieser Zeit wuchs seine Sammlung auf beeindruckende über 1.500 Gemälde und rund 500 Skulpturen an.

Dank seines persönlichen Engagements kamen einige der bedeutendsten Künstler Europas nach Großbritannien, darunter Anthony van Dyck, der später Hofmaler wurde, sowie Sir Peter Paul Rubens, dessen Werk bis heute untrennbar mit dem Banqueting House verbunden ist. Charles I legte damit den Grundstein für eine königliche Kunstsammlung von internationalem Rang.

Nach seinem Tod nahm die Geschichte dieser Sammlung jedoch eine dramatische Wendung. 1651 wurde sie weitgehend aufgelöst und verkauft, um die Staatskassen zu füllen. Meisterwerke gelangten in die großen Museen Europas, darunter der Louvre in Paris und das Museo Nacional del Prado in Madrid. Ein erheblicher Teil der Kunstwerke blieb jedoch in Großbritannien und bildet heute einen zentralen Bestandteil der Royal Collection Trust – einer der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt.

Wo findet man Charles I heute in London?

  • Das Banqueting House, der Ort der Hinrichtung von Charles I, steht bis heute – ebenso wie das imposante Rubens-Deckengemälde, das noch immer zu den eindrucksvollsten Kunstwerken Londons zählt. Direkt vor dem Gebäude erinnert eine Büste von Charles I an den König und sein Schicksal.
  • Gegenüber liegt die Horse Guards Parade. An der dortigen Uhr ist bei etwa 14 Uhr ein dunkler Fleck zu erkennen. Der Legende nach markiert er den Zeitpunkt der Hinrichtung – ob dies historisch korrekt ist, lässt sich heute nicht mehr eindeutig belegen.
  • Wer heute durch den St James’s Park joggt, bewegt sich gewissermaßen auf den Spuren von Charles I. Der König nutzte den Park regelmäßig für Bewegung, um seine schmale Statur zu kräftigen und körperlich fit zu bleiben – ein ungewöhnlich moderner Gedanke für einen Monarchen des 17. Jahrhunderts.
  • Am südlichen Ende des Trafalgar Square steht ein Reiterstandbild von Charles I. Es markiert den Standort des einstigen Charing Cross, von dem aus London früher offiziell vermessen wurde – ein geografischer wie symbolischer Mittelpunkt der Stadt.
  • Auch die Orte seiner Macht sind bis heute zugänglich: Die Westminster Hall, in der Charles I vor Gericht gestellt wurde, kann im Rahmen eines Besuchs der Houses of Parliament besichtigt werden. In der Westminster Abbey wurde er am 2. Februar 1626 feierlich gekrönt. Eine weitere, oft übersehene Büste von Charles I befindet sich über dem östlichen Portal der St Margaret’s Church, Westminster.

Der King’s Army March

Jedes Jahr am letzten Sonntag im Januar versammeln sich Anhänger von Charles I zum sogenannten „King’s Army March“. In einer feierlichen Prozession folgen sie der Route, die der König im Januar 1649 auf seinem letzten Weg zur eigenen Hinrichtung zurücklegte.

Der Umzug besteht aus berittenen Soldaten und Fußvolk, alle in historisch nachempfundenen Uniformen des 17. Jahrhunderts gekleidet. Er beginnt am St James’s Palace an The Mall, führt vorbei an der Horse Guards Parade und endet schließlich am Banqueting House in Whitehall – jenem Ort, an dem Charles I hingerichtet wurde.

Der King’s Army March ist bis heute ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie tief die Geschichte des englischen Bürgerkriegs und das Schicksal Charles’ I im kollektiven Gedächtnis Londons verankert sind.

11 Fakten über Charles I, die du vielleicht noch nicht kanntest

  • Charles I wurde nur König, weil sein älterer Bruder Henry 1612 starb. Ursprünglich war Henry als Thronfolger vorgesehen.
  • Bis heute ist Charles I der einzige britische Monarch, der hingerichtet wurde. Seine Enthauptung bleibt ein einzigartiger Einschnitt in der Geschichte Großbritanniens.
  • Zwischen 1629 und 1640 regierte Charles I ganz ohne Parlament. Diese Phase wird als Personal Rule bezeichnet.
  • Seine Krönung fand am 2. Februar 1626 in der Westminster Abbey statt – ohne seine Ehefrau.
    Henrietta Maria, überzeugte Katholikin, verweigerte die Teilnahme an einem anglikanischen Ritual. Politisch hochbrisant, da sie an diesem Tag offiziell Königin von England wurde.
  • Am Tag der Hinrichtung war seine Familie größtenteils bereits aus England geflohen. Nur zwei seiner Kinder, Henry (9) und Elizabeth (13), durften sich am Vorabend von ihrem Vater verabschieden.
  • Charles I trug bei seiner Hinrichtung zwei Hemden übereinander. Er wollte verhindern, dass sein Zittern in der Januarkälte als Zeichen von Angst interpretiert wurde.
  • Der Henker verhüllte sein Gesicht – und schwieg. Normalerweise hielt der Henker den abgetrennten Kopf hoch und rief: „Behold the head of a traitor!“ („seht her, der Kopf des Verräters“) Bei Charles I blieb dieser Ausruf aus – vermutlich, um auch die Stimme nicht erkennen zu lassen.
  • Am Tag nach der Hinrichtung wurde Charles I wieder zusammengenäht. Sein Leichnam wurde anschließend nach Windsor überführt und in der St George’s Chapel beigesetzt.
  • Er liegt in einem Grab mit Henry VIII, Jane Seymour und einem früh verstorbenen Kind von Queen Anne.
    Eine ungewöhnliche Grabgemeinschaft englischer Monarchiegeschichte.
  • Nach der Entlassung seines Barbiers weigerte sich Charles I, sich weiter zu rasieren. Als sein Barbier Uriah Babbington 1647 entlassen wurde, ließ Charles seinen Bart fortan wachsen.
  • Kleidungsstücke und angebliche Reliquien von Charles I erzielen bis heute hohe Preise.
    • Die Weste, die er bei seiner Hinrichtung trug, befindet sich im Museum of London.
      Ob die Flecken tatsächlich sein Blut sind, ist bis heute nicht bewiesen. Untersuchungen (1959 & 1989) bestätigten lediglich menschliche Körpersäfte.
    • 2008 wurde bei Sotheby’s ein Taschentuch versteigert, das angeblich mit dem Blut Charles I befleckt ist. Der Preis: £3.700.

Kennst du noch weitere Orte in London, die mit Charles I in Verbindung stehen, oder hast du andere spannende Fakten über ihn gehört? Dann teile dein Wissen gern in den Kommentaren – ich freue mich auf den Austausch mit dir.