Trends kommen und gehen, aber echter Stil bleibt. Und gerade die britische Mode hat für so einige Mode Erfindungen bzw. Stil-Klassiker gesorgt, ohne die wir aufgeschmissen wären. Ja, das fällt manchmal schwer zu glauben. Besonders dann, wenn man am Wochenende Horden halbnackter Frauen in zu kurzen und zu engen Kleidern, ohne Strumpfhose und in offenen Pumps bei Minusgraden und Schnee durch die Ausgehviertel streifen sieht. Aber es gibt sie, die Modeklassiker „made in Britain“. Und sogar eine ganze Menge.

Britische Mode Erfindungen von der Insel

Die folgenden modischen Errungenschaften verdanken wir den Briten:

Ein Klassiker – der Trench Coat

Trench bedeutet Graben und tatsächlich wurde dieser besondere Mantel in den Gräben des ersten Weltkrieges entwickelt, um den Soldaten eine leichtere und kürzere Version ihrer Kriegsmäntel zu geben. Auch die Farbe (in leichtem Khaki) rührt noch aus dieser Zeit und sollte als Tarnfarbe den Träger besser schützen. Nach dem Krieg wurde der Mantel dann von Hollywood entdeckt. Humprey Bogart und Audrey Hepburn sind nur einige berühmte Fans. Auch in unserer Zeit ist der Trench Coat ein Fashion-Statement. Für viele (mich eingeschlossen) ist der Mantel von Burberry DER Trench Coat.

Wer noch überlegt, ob sie die Investition in einen Trench Coat lohnt, dem könnte das Zitat der wunderbaren Joan Collins eine Entscheidungshilfe sein. Die sagte mal „… There is nothing more elegant in winter than dark tights worn with matching knee-length boots and a belted trench coat.”

Die Wellington Boots – made in Britain

Wellingtons oder kurz Wellies sagt der Brite zu seinen Gummistiefeln. Deren Erfindung geht zurück auf den ersten Duke of Wellington (Arthur Wellesley) der seinen Schuhmacher damit beauftragte, einen Stiefel aus Leder zu designen, der kürzer als die damals gängigen Stiefel waren. Die British Army trug zur damaligen Zeit „Hessian Boots“, die bis zum Knie gingen. Die neue Höhe sollte besser zur neuen Schnittart von Hosen passen, aber auch das Reiten erleichtern. Im Laufe der Zeit hat sich der neue Stiefel etabliert und hat seinen Weg über Kriegsfelder hin zu Fischern und Bauern und sogar bis zur Royal Family geschafft. Ein Originalpaar Wellington Boots, das der Duke of Wellington getragen hat, findest du übrigens im Apsley House, seiner ehemaligen Residenz am Hyde Park.

Die Wachsjacke

Ein nützliches Accessoire bei der Jagd oder dem Ausführen der Hunde in den Highlands – das ist die Wachsjacke. Den Gedankenanstoß für die Entwicklung einer stabilen und wasserfesten Jacke geht übrigens auf die Schotten zurück, die ein solches Kleidungsstück für die Fischerei brauchten. Die Firma Barbour machte sie massentauglich.

Die Krawattenknoten Windsor und Half-Windsor Knot

Auch zwei Krawattenknoten haben wir den Briten zu verdanken und zwar den Windsor Knot und den Half-Windsor Knot. Der Windsor Knot, auch als Full Windsor oder Double Windsor genannt, geht vermutlich auf George V zurück. Auch wenn man denken könnte, dass er aufgrund des Namens eher dem Duke of Windsor (King Edward VIII vor seiner Abdankung) zu verdanken sein könnte.

Brogue Schuhe

Die Brogues sind Schuhe mit Lochmuster am Schaft, die von schottischen und irischen Hirten erfunden wurden. Die brauchten einen Schuh, aus dem eingetretenes Wasser schnell wieder abfließen konnte. Über den jagenden Adel hin zur normalen Bevölkerung, irgendwann trug fast jeder einen solch verzierten Schuh. Der Ghillie Brogue ist übrigens eine besondere Art des Schuhs, die traditionell zum Kilt getragen wird.  Wenn du dich jetzt fragst, was der Unterschied zum „Budapester“ Schuh ist, der Budapester hat eine doppelte Sohle und einen anderen Absatz.

Oxford Shoes

Oxford shoes wurden angeblich von Studenten in Oxford erfunden, die eine modische Alternative zu halbhohen Stiefeln suchten. Durch die versteckte Schnürung wirkt der Schuh besonders elegant.

Britischer geht es nicht – die Chelsea Boots

Die Chelsea Boots sind als überknöchelhohe Stiefel mit Gummieinsätzen an beiden Seiten als klassischer Herrenschuh gestartet. Erfunden hat sie J.S. Hall, ein Schuhmacher von Queen Victoria in den1830er Jahren. Richtig bekannt wurde der Stiefel dann, als ihn die Beatles trugen, daher wird er manchmal sogar als „Beatles-Boot“ bezeichnet. Mittlerweile gibt es den bequemen Schuh für Männer, Frauen und sogar Kinder.

Loafers

Die Entwicklung des Loafer Schuhs (also eines Schuhs zum Reinschlüpfen, ohne Lasche oder Schnürung, damit aber mit kleinem Absatz) liegt zwar in Amerika, allerdings ist die Erfindung des Albert Slippers dem Gatten von Queen Victoria zuzuschreiben. Der wünschte sich einen Schuh, in den er nach dem Reiten schnell hineinsteigen konnte, der gemütlich war und vor allem die Teppiche sauber hielt.

Top Hat und Flat Cap als britsche Kopfbedeckungen

Als Kopfbedeckungen verdanken wir den Briten den Top Hat (Zylinder) und die Tweed bzw. Flat Cap (die Schirmmütze).

Der Zylinder wird im Englischen auch als “top hat, beaver hat, high hat, silk hat, cylinder hat, chimney pot hat oder stove pipe hat“ bezeichnet. Der Spitzname „Topper” ist auch gängig. Erfunden wurde der Hut 1793 vom Schumacher George Dunnage aus Middlesex. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Accessoire sehr beliebt, wird seitdem aber nur noch zu besonderen Anlässen (Bälle, Royal Ascot) oder in bestimmten Positionen getragen (z.B. wenn man in hoher Position in der Bank of England arbeitet). Aufgrund des teuren Materials (Seide) ist der Zylinder fast ausschließlich mit Status und Reichtum verbunden.

Tweet oder Flat Cap – der Stil dieser Schirmmütze geht bis ins 14 Jahrhundert zurück und wurde ab 1571 sogar ein zwingendes Muss für jeden männlichen Bewohner ab 6 Jahren. Die mussten (sofern sie nicht der Oberschicht angehörten) an Sonn- und Feiertagen eine wollene Kappe tragen oder Strafe zahlen. Ziel war die Ankurbelung der heimischen Wollproduktion. Mittlerweile als bewusstes Fashion Item eingesetzt, sah man schon David Beckham, die Peaky Blinders und andere Stars mit Flat Cap.

Der Minirock

Der Minirock wurde in den Swinging 60s vermutlich von Mary Quent erfunden. Sie hat das modische Stück Freiheit für die Damenbeine sogar nach ihrem Lieblingsauto, dem Mini Cooper, benannt. Trotzdem kann nicht mit 100% versichert werden, dass die Erfindung tatsächlich auf sie zurückgeht, da zeitlich auch der Franzose André Courrèges einen kurzen Rock entwickelte. Quent hatte zur damaligen Zeit einen Laden auf der King’s Road in Chelsea und für sie (und viele andere Frauen) war der kurze Rock mehr als nur ein Kleidungsstück: er stand für Rebellion und sexuelle Freiheit. Im Frühjahr 2019 zeigte V&A Museum eine Ausstellung  zu Ehren Mary Quent und auch im Fashion & Textile Museum gab es im gleichen Jahr eine passende Ausstellung zu den Swinging 60s mit Klamotten von Mary Quant.

Das Tartan Muster

Auch das Tartan Muster stammt aus Großbritannien. Aus Schottland, um genau zu sein. Das typische Karomuster steht für unterschiedliche Clans in Schottland. Eine Liste aller Clans in Schottland samt ihres Tartan Musters findest du im Post auf Wikipedia verlinkt.

Fashion Ikone Queen Elizabeth II

Als Oberhaupt der englischen Königsfamilie steht Queen Elizabeth II nicht nur für Stabilität und Kontinuität in Großbritannien, sie ist auch das modische Oberhaupt des Windsor Clans. Jeder Stil, jedes Accessoire hat eine wohl überlegte Bedeutung:

  • Trotz des hohen Alters (sie ist bereits über 90 Jahre alt) ist sie immer modisch und vor allem farbenfroh gekleidet. In den letzten Jahren geht der Trend sogar zu fast neonfarbenen Kleidern. Alles mit dem Ziel, dass sie für ihre Untertanen gut sichtbar ist. Selbst wenn diese sie nur auf weite Entfernung sehen, sollen sie doch denken können, dass sie ihre Königin gesehen haben (auch wenn man in Wahrheit nur den neongrünen Punkt in der Ferne gesehen hat).
  • Sie trägt ihren Hut farblich passend zum Outfit
  • Mit ihren Broschen versendet sie geheime Botschaften, da sie sich politisch ja neutral verhalten muss.
  • Sie trägt immer Handschuhe.
  • Seit Jahren trägt die Königin das gleiche Design bei ihren Schuhen, in denen sie übrigens Schuhgröße UK 4, also 36-37 hat. Diese werden bei „Anello & Davide“ handgefertigt.
  • Falls es regnet, trägt sie durchsichtige Schirme mit einem Rand passend zur Farbe ihres Outfits. Warum durchsichtige Regenschirme? Mal wieder, damit sie von den Untertanen gesehen werden kann. Der königliche Hoflieferant hierfür ist übrigens „Fulton“ aus Ost-London.
  • Die königliche Handtasche ist eine Launer Traviata. Angeblich besitzt die Queen mehr als 200 davon. In denen bewahrt sie einen kleinen Spiegel, einen Lippenstift und eine 5 Pfund Note für den Kirchgang.
  • Obwohl Handschuhe und Broschen hoch im Kurs stehen, das royale Lieblingsaccessoire ist das Hermes Kopftuch. Das trägt sie beim Reitausflug oder beim Hundespaziergang.
  • Wusstest du übrigens, dass die Queen nur ganz selten Hosen trägt und noch seltener darin fotografiert wurde? Z.B. 1970 auf einer Royal Tour in Canada.

Sind Doc Martens nicht auch britisch?

Die bekannten Stiefel mit gelber Naht und einer Sohle, die jedem Feuer und jeder Säure Stand hält, wurden tatsächlich von einem Deutschen erfunden. Von Klaus Märtens um genau zu sein. Der entwickelte einen ersten Prototypen kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und bekam Unterstützung von seinem Luxemburger Studienkollegen Herbert Funck. Erst in den 1960er ging die Produktionslizenz an den Briten Bill Griggs. Der entwickelte die gelbe Naht an der Sohle und den Begriff “Air Walk” und der Erfolgskurs der Schnürstiefel begann.

Die London Fashion Week (LFW)

Seit Oktober 1983 findet in London – neben New York, Paris und Mailand – zweimal im Jahr (Februar und September) die London Fashion Week statt. Dort wird dem Fachpublikum gezeigt, was in der kommenden Saison angesagt ist. Wer als Normalsterblicher die neuesten Trends sehen möchte, der kann sich ein Ticket zum London Fashion Week Festival (auch als London Fashion Weekend bezeichnet) sichern. Auch dort finden Modenschauen statt, es gibt Goodie Bags und Frontrow seats.

Wusstest du, dass:

Welche britische Modeerfindung gefällt dir am besten? Und welche trägst du selbst? Erzähl mal in den Kommentaren unter diesem Post.