Last Updated on 7. Januar 2024

Der Brompton Cemetery ist einer der Magnificant Seven Friedhöfe in London. Alte viktorianische Grabsteine, teils von Efeu umrankt, große Mausoleen entlang einer von Bäumen gesäumten Prachtstraße, geheime Katakomben, möglicherweise eine Zeitmaschine und eine wunderschöne Kapelle, all das macht den Besuch auf diesem Friedhof lohnenswert. Und wenn du Fußballfan bist, direkt nebendran liegt das Chelsea Football Stadiums.

In diesem Post sehen wir uns die architektonischen Highlights und einige der besonderen Gräber vor Ort an. Denn hier sind viele berühmte Menschen beerdigt.

Der immer noch aktiv genutzte Friedhof ist aber auch eine grüne Ruheoase zum Erholen und Nachdenken, wo man als Besucher nahezu jederzeit willkommen ist.

Besondere Gräber auf dem Brompton Cemetery

Seit 1840 werden auf hier Menschen beerdigt und auch heute ist Brompton noch ein aktiv genutzter Friedhof. Es befinden sich ca. 35.000 Grabstätten vor Ort. Einige ziemlich bekannte Menschen haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden und ein Auszug der berühmten Grabinhaber folgt jetzt.

Emmeline Pankhurst (1858 – 1928)

Nahe dem Nordeingang findest du einen Grabstein, der oft mit weiß und lila und/oder grünen Bannern und passenden Blumen geschmückt ist. Hier liegt Emmeline Pankhurst, die Anführerin der Suffragetten, begraben, die für das Wahlrecht der Frauen gekämpft hat. Auch wenn einige Frauen ab 1818 wählen durften, hat sie die generelle Gleichstellung der Geschlechter beim Wählen nicht mehr miterlebt.

Die genannten Farben sind übrigens die der Suffragetten. Weiß steht für die Unschuld der Frauen, Grün für die Hoffnung und das Lila soll Würde repräsentieren.

Pankhursts Grabstein ist ein keltisches Kreuz.

Doctor John Snow (1818 – 1858)

Der Entdecker, dass Cholera über schlechtes Trinkwasser verbreitet wurde und nicht, wie andere zeitgenössische Theorien besagten, via schlechter Gerüchte oder Miasma. Mit seiner Entdeckung und Handeln rettetet Snow viele Menschenleben.

In Soho (Broadwick Street 44) steht übrigens die Pumpe, die Snow im Sommer 1854 als Ursache für die vielen Choleratoten in der Gegend identifizierte. Ihr wurde daraufhin der Griff abmontiert.

Indianerhäuptling Chief Long Wolf (1833 – 1892)

Sioux Häuptling Long Wolf lag über 100 Jahre auf dem Brompton Cemetery begraben, nachdem er als Teil einer Buffalo Bill’s Wild West Show verstorben war. In den 1990ern wurden seine Überreste von den Nachfahren nach South Dakota überführt, wo sie in einer traditionellen Grabstätte ihre letzte Ruhe gefunden haben. Der Grabstein mit dem Wolf ist aber noch zu sehen.

Elizabeth le Blond (1860 – 1934)

Die Pionierin im Bergsteigen und Fotografieren war außerdem die Gründerin des Ladies’ Alpine Club. Sie ruht unter einer Engelsstatue.

Augustus “Gus” Mears

Augustus “Gus” Mears war der Gründer des Chelsea Football Club, dessen Stadion du vom Friedhof aus sehen kannst. Viele Fans auf dem Weg zur Stamford Bridge nutzen den Friedhof als Abkürzung.

Sir Henry Cole (1808 – 1882)

Sir Henry Cole war Journalist, Schriftsteller und der Mann, dem wir das V&A Museum in South Kensington und die traditionelle Weihnachtskarte zu verdanken haben.

Hannah Courtoy (1781 – 1849)

Eins meiner Lieblingsgräber auf dem Brompton Cemetery gehört Hannah Courtoy. Mutter von drei Kinden, die mit dem Vater nie verheiratet war (vermutlich ein Riesenskandal in der damaligen Zeit), aber dennoch seine Erbin wurde. Mit dem Vermögen ließ sie sich den riesigen, ägyptisch-anmutenden “Kasten” bauen, den viele für eine Tardis bzw. Zeitmaschine halten. Wie aufregend!

Percy Lambert (1880 – 1913)

Percy Lambert war der erste Mann, der jemals 100 km/h fuhr und beim Versuch seinen Weltrekord zu wiederholen, tödlich verunglückte. Auch er hat seine letzte Ruhestätte in Brompton gefunden, sein Grab wird von einem kaputten Lenkrad geschmückt.

Robert Fortune (1812-1880)

Robert Fortune, der Botaniker, der für die British East India Company arbeitete, schmuggelte 20.000 Teepflanzen – und samen aus China heraus. Die brachte er dann – mit ein paar chinesischen Teeexperten – nach Indien, wo sie ihr Wissen teilten.

Henrietta Dredge (? – 1907)

Als “Hettie” im August 1907 auf dem Brompton Cemetery begraben wurde, war ihr Mann – Kriegsveteran Albert – davon überzeugt, sie aus dem Grab rufen zu hören. Er war so von seiner Trauer übermannt, dass er sich im nächsten Frühjahr auf ihrem Grab das Leben nahm.

Sir John Fowler (1817 – 1898)

Sir John Fowler war Chief Engineer bei der Metropolitan Railway – der weltweit ersten Underground, einem Vorgänger der heutigen Tube – und der Designer von u.a. der Victoria Station.

William Terriss (1847 – 1897)

William Terriss war ein erfolgreicher Schauspieler, der ein tragisches Ende fand, indem er am Bühneneingang des Adelphi Theatres brutal erstochen wurde. Seit Geist spukt angeblich noch heute durch das Gebäude.

Natürlich gibt es noch sehr viel mehr Grabstätten zu entdecken. Auf der Webseite vom Friedhof kannst du dir einen Flyer für self-guided walks runterladen. Den Link zur Webseite findest du weiter unten in diesem Post.

Frederick Leyland (1831 – 1892)

Eins meiner Lieblingsgräber auf dem Brompton Cemetery gehört Frederick Leyland. Der war ein reicher Reeder, der 25 Dampfschiffe seiner Leyland Line im transatlantischen Verkehr im Einsatz hatte. Er war außerdem Patron der viktorianischen Avant-Garde Kunst und sammelte italienische Renaissancekunstwerke, das Geld dafür brachten ihm seine Schiffe ein.

Sein Grab sieht aus wie ein kleines Haus auf vier Beinen, das von einem Geländer umgeben ist. Das Grabmal besteht aus Portland Stein, das Dach aus Kupfer, was ihm die grünliche Farbe gibt. Auf Dach und den Seiten sind mit Kupfer Blumen angebracht. Das Geländer wird ebenfalls von Blumen (Lilien) geschmückt.

Das Design stammt aus 1892 und vom präraffaelitischen Künstler Edward Burne-Jones. Es ist dessen einziges Grabmal, denn Burne-Jones war vor allem als Maler und Glasmaler bekannt.

Das Grabmal wurde von Historic England mit Grade 2 unter besonderen Schutz gestellt.

James McDonald (1843-1915)

Ein weiteres sehr beeindruckendes Grabmal, ein Mausoleum, steht an der Grand Avenue. Es gehört dem schottisch-amerikanischen Ölmagnaten James McDonald. Das Gebäude ist wie eine kleine Kapelle designt, dessen Eingang von zwei lebensgroßen Engeln bewacht wird. Innen befindet sich ein kleiner Altar.

Dieses Grabmal wirkt bei Regen sehr atmosphärisch, denn dann sieht es aus, als ob die Gesichter der Engel getränkt von Tränen sind.

Architektonische Highlights auf dem Brompton Cemetery

Wenn du schon hier bist, dann darfst du die architektonischen Highlights nicht verpassen. Die mögen auf den ersten Blick vielleicht überdimensioniert erscheinen, immerhin sind wir “nur” auf einem Friedhof. Aber als Brompton 1840 eröffnete, war er eine private Unternehmung und um den Investoren und Geldgebern etwas zu bieten, wurde Wert auf ansprechende und beeindruckende Gebäude gelegt.

Grand Avenue

Die Hauptachse, die vom Nordeingang hinauf zur Kapelle führt und auf beiden Seiten von prächtigen Gräbern und Bäumen gesäumt ist, ist quasi der Hauptweg, den du als Besucher nimmst.

Die Katakomben

Der Zutritt in die Katakomben ist nur mit ausgewählten Führungen möglich, und so eine Führung empfehle ich dir unbedingt. Steige ein paar Stufen auf einer der beiden breiten Treppenabgänge hinab und stehe vor den großen Toren, die von Schlangen bewacht werden, die sich um auf dem Kopf stehende Fackeln schlängeln. Trete ein in die Unterwelt, wo zwischen 1841 und 1915 ca. 500 Menschen beerdigt wurden. Noch heute kannst du die Überreste einiger Särge sehen.

The Grand Circle

Nahe der Kapelle (am Ende der Grand Avenue) befinden sich auf beiden Seiten Kollonaden, die einen Kreis bilden. Im Innenbereich sind einige Gedenkplaketten angebracht.

Die Kapelle

Die Kapelle ist die einzige von ursprünglich drei vorgesehenen Kapellen auf dem Friedhof. Für die anderen beiden fehlte am Ende das Geld. Hier finden neben Beerdigungen oft Kunstausstellungen oder Konzerte statt. Ich habe im Rahmen des London Month of the Dead schon einige Events hier drin miterlebt. Ein wunderschönes Gebäude mit Kuppeldach, das erst in 2017 komplett restauriert wurde.

Nützliches über den Brompton Cemetery

  • Der Friedhof ist für die Öffentlichkeit geöffnet und man ist willkommen zum Erholen, Nachdenken, Spazierengehen. Es gibt viele Bereiche, wo Pflanzen und Gras wild wachsen dürfen, entsprechende Insekten und andere Tiere kannst du hier also auch gut beobachten.
  • Grillen und Alkohol trinken sind verboten, aber es gibt ein nettes Cafe am Eingang, wo sich auch die Toiletten befinden.
  • Gegenüber vom Cafe at North Lodge befindet sich ein Besucherzentrum mit weiteren Infos über den Friedhof.
  • Alle anstehenden Events und Aktionen findest du auf der Webseite des Brompton Cemetery.
  • Ich bin bereits seit mehreren Jahren Mitglied bei den “Friends of Brompton Cemetery“. Für eine kleine Jahresgebühr unterstützt du den Erhalt und die Restauration von Gräbern, bekommst ein Mitgliedermagazin und Member-Events. Die Friends organisieren auch die Touren in die Katakomben.
  • Übrigens steht der Friedhof unter Denkmalschutz, er ist Grade I listed.

Hast du den Brompton Cemetery schon besucht? Hast du ein Grab oder ein Mausoleum, das dich besonders anspricht? Erzähle gerne in den Kommentaren unter diesem Post.