Die Hidden London Tours werden vom London Transport Museum organisiert und durchgeführt und ermöglichen Zutritt in Bereiche des Tube-Netzes, die sonst nicht zugänglich sind. Welche Touren es gibt, was es dabei zu erleben gibt und warum die Touren für Touristen und Einheimische gleichermaßen spannend sind, erfährst du in diesem Post.

Hidden London Tours – eine Übersicht

Die geführten Touren zu nicht mehr genutzten, verlassenen und vergessenen Orten entlang des Ubahn-Netzes in London, werden vom London Transport Museum angeboten.

Eintrittstickets werden online verkauft und der Ansturm ist immer groß. Tipp: Wenn du Newsletter Empfänger des Transport Museums bist, bekommst du 24 Stunden vor der Öffentlichkeit den Link zum Buchen deiner Tickets. Aber selbst dann kann es passieren, dass du Nummer 23.334 in der Warteschleife bist (ist mir bei der Ausgabe der Tickets Anfang März 2019 so ergangen).

Derzeit (Stand März 2019) sind die folgenden Touren im Angebot:

Aldwych – the end of the line

Die Aldwych Station wurde 1907 unter dem Namen „Strand Station“ eröffnet, aber der geplante Besucheransturm bliebt aus. Selbst zur Rush-Hour war wenig los. Als 1994 teure Reparaturen an den Lifts anstanden, nutzte man das als Grund die Station komplett zu schließen.

In den knapp 100 Jahren der Nutzung ist viel passiert. Während dem Zweiten Weltkrieg fanden hier Menschen und Gemälde bzw. Skulpturen aus den Londoner Museen Schutz. Danach wurden die Tunnel und die Station für Filme entdeckt. So wurden u.a. V for Vendetta, Sherlock und ich meine auch Teile von “Der Buchladen der Florence Green” gedreht. The Prodigy haben einen Tunnel für ihr „Firestarter“ Video in Szene gesetzt.

Charing Cross – Access all areas

Diese Tour fehlt mir noch in der Sammlung. Aber dich erwartet Einlass in Bereiche der Jubilee Line, die seit 1999 geschlossen sind. Seitdem wurden diverse Filme hier gedreht, u.a. Skyfall und Paddington.

Clapham South – Subterrean shelter

Steige hinab in einen von acht Untergrund Schutzräumen, die es in London gibt. Clapham South wurde 1944 eröffnet und hat nicht nur während des Zweiten Weltkrieges viele Menschen beherbergt. Denn danach lebten hier Migranten aus der Karibik, die auf der Empire Windrush nach Großbritannien gekommen waren. Und zu Zeiten des Festival of Britain 1951 konnten sich Besucher hier kostengünstig einbuchen.

Down Street – Churchill’s Secret Station

Die Down Street Station wurde 1932 geschlossen, als die Piccadilly Line immer weiter Richtung Westen ausgebaut wurde und man Haltestellen entfernen musste, damit die Strecke nicht ewig dauerte. Die Nutzung der Station war nie besonders groß, vermutlich auch, weil in der schicken Gegend eine U-Bahn Fahrt eher nicht bevorzugtes Fortbewegungsmittel war. Während des Zweiten Weltkrieges nutze das Emergency Railway Committee die Station dann als sicheren Unterschlupf, um von hier die Eisenbahntätigkeiten aufrecht zu erhalten. Winston Churchill nutzte die Station als Bunker. Aus dieser Zeit sind immer noch alte Sanitäranlagen vorhanden, anhand von Fotos kann man auch erkennen, in welchen Räumen z.B. die Küche war. Down Street habe ich im März 2019 besucht, fand ich super! Man wird mit Taschenlampen ausgestattet, weil es in den Gängen dunkel und staubig ist. Da man quasi zwischen den Fahrtrassen der Piccadilly Line läuft, kommt an bestimmten Stellen der Aufruf, das Licht auszumachen und stehen zu bleiben. Immer dann, wenn die Taschenlampen die U-Bahn Fahrer irrtieren könnten.

55 Broadway – Londons first skyscraper

55 Broadway nahe dem St James’s Park wurde 1929 als Headquarter der Underground Group eröffnet. Damals war das Gebäude das höchste in ganz London. Mit der Geschichte des Gebäudes sind drei Männer eng verknüpft.

  • Charles Holden, der Architekt, der einen sehr modernen Stil designte und der für die Skulpturen an der Fassade u.a. den kontrovers-diskutierten Jacob Epstein engagierte.
  • Lord Ashfield als Chairman of the Board und
  • Frank Pick, der Managing Director der Underground.

Gerade Holden und Prick glaubten an einen klaren Stil, ohne viel Schnickschnack. Das Gebäude hat die Form eines Kruzifix, damit auf allen Ebenen und in jeder Richtung die Nutzung des Tageslichts maximiert werden konnte. Dennoch wollten sie auch ein optische herausstechendes Gebäude schaffen. Daher wurden sieben Avant-Garde Bildhauer engagiert, unter ihnen Epstein. Ihre Ergebnisse findest du außen an der Fassade des Gebäudes.

Oben auf dem Dach gibt es eine Dachterrasse, deren Ausblicke mich sehr begeistert haben (ich war im Juni 18 hier).

Euston – the lost tunnels

Eine großartige Tour, die dich in geheime und verlassene Gänge der Euston Station bringt. Hier findest du teilweise noch alte Plakate aus den 50er Jahren und kannst durch Lüftungsschächte auf die Plattformen hinunterblicken. Ein richtiger Lost Place.

Highgate – Wilderness Walkabout

Die Highgate Wilderness Tour bringt dich zur Highgate High Level Station und einem Teil der Strecke, der seit 1971 nicht mehr in Betrieb ist. Hier erobert die Natur die Gleise und alten Plattformen zurück. Nach einer Einweisung am alten Bahnsteig läufst du ein Stück auf den zugewachsenen Gleisen entlang zu alten Tunneln. In denen haben sich Fledermausarten angesiedelt, die hier besonders geschützt werden. Ich habe diese Tour im Juni 2018 mitgemacht. Gefühlt die kürzeste Tour. Spannend zu sehen, aber irgendwie finde ich die unterirdischen verlassenen Teile cooler.

Station Architecture Tour

Zu dieser Tour kann ich keine persönlichen Eindrücke schildern, denn sie fehlt mir noch. Laut Homepage werden aber die architektonischen Besonderheiten der Oakwood, Southgate und Arnos Grove Stations genauer betrachtet. Alle drei (und noch viele mehr) stammen aus der Feder von Charles Holden.

Gut zu wissen:

  • Die Eintrittspreise sind hochpreisig, aber dafür geht das Geld auch zurück ans Museum und unterstützt dort den Erhalt der alten Fahrzeuge, die Entwicklung von neuen Ausstellungen und Co. Daher ist das Geld aus meiner Sicht immer gut investiert. Hinzu kommt, dass die Touren immer super organisiert sind und einen eben an Orte bringen, die sonst nicht zugänglich sind.
  • Zum Abschluss bekommt man immer ein Souvenirheftchen der jeweiligen Tour.
  • Außerdem ermöglicht das Ticket einen ermäßigen Einlass in das Museum in Covent Garden sowie Rabatte im Museumsshop (am besten genau auf dem Ticket prüfen, wie schnell das eingelöst werden muss).

Welche Hidden London Touren hast du schon besucht? Wie hat es dir gefallen? Erzähl doch mal in den Kommentaren unter diesem Post.