Last Updated on 22. Februar 2025

Das Studentengebäude des UCL (University College London) ist Ort einer sehr skurrilen Besonderheit. Hier sitzt in einem Glaskasten die konservierte und ausgestopfte Leiche des Philosophen Jeremy Bentham, die sogenannte Auto-Icon. Alles was es zu Bentham und seinem besonderen Nachlass zu wissen gibt, findest du in diesen Post.

Wer war Jeremy Bentham?

Jeremy Bentham (geboren am 15.02.1748 und verstoben am 6.6.1832 in Spitalfields) war ein englischer Philosoph, Jurist und Sozialreformer, der als Begründer des Utilitarismus gilt – einer ethischen Theorie, die das größtmögliche Glück für die größtmögliche Anzahl von Menschen anstrebt. Er setzte sich außerdem für das Wahlrecht für Frauen, die Abschaffung der Todesstrafe, die Pressefreiheit und für Tierrechte ein.

Heute ist er vielen in Erinnerung geblieben, weil er eine besondere Form des Gefängnis entwickelte – das sogenannte Panoptikum – bei dem die Aufsicht vieler durch eine einzige Person möglich war.

Und den Studenten des UCL (University College London) noch aus einem anderen Grund, denn er sitzt aus Auto-Icon im Eingangsbereichs des Studentengebäudes.

Was ist eine Auto-Icon?

Als Bentham mit 84 Jahren verstarb, hatte er in seinem Testament verfügt, dass sein Freund Dr. Thomas Southwood Smith seinen Leichnam bekam, um ihn entsprechend zu sezieren. Danach sollten das Skelett und der mumifizierten Kopf in aufrecht sitzender Position angekleidet und der so wieder hergestellte Körper ausgestellt werden, damit er auch nach dem Tod noch seinen Dienst an der Wissenschaft fortsetzen konnte.

Diese Idee hatte Bentham selber im Jahr vor seinem Tod im Pamphlet Auto-Icon; or, Farther Uses of the Dead to the Living zu Papier gebracht. In diesem Dokument schlug er vor seine eigene „Auto-Icon“ zu werden. Er plante eine Sezierung zu wissenschaftlichen Zwecken, gefolgt von der Zurschaustellung einer Nachbildung aus seinem Skelett, Füllmaterial und einem mumifizierten Kopf. Dies sollte die medizinische Ausbildung erleichtern, den Bedarf an Denkmälern verringern, gesundheitliche Risiken durch Leichenanhäufung beseitigen und die Angst vor dem Tod mindern.

Warum ließ sich Betham ausstopfen?

Bentham verfügte in seinem Testament, dass sein Körper nach dem Tod der Wissenschaft gespendet und anschließend präpariert werden sollte. Sein Wunsch war es, als sogenannte „Auto-Icon“ ausgestellt zu werden, um auch nach seinem Tod weiter als Denkmal für seine Philosophie – dem Utilitarismus – zu dienen.

Was passierte mit Benthams Leiche genau?

  1. Zunächst wurde der Leichnam von seinem Freund, dem Arzt Dr. Thomas Southwood Smith seziert.
  2. Anschließend wurde das Skelett mit Stroh gefüllt und in Benthams Kleidungsstücke gesteckt.
  3. Der Erhalt des Kopf verlief leider ein wenig unglücklich. Der Mumifizierungsversuch missglückte und hinterließ einen so gruseligen Kopf, dass man für die Auto-Icon einen Wachskopf herstellte. Dieser sitzt noch heute auf der Auto-Icon.
  4. Der ursprüngliche Kopf wurde lange Zeit zwischen den Füßen der Auto-Icon aufbewahrt, wird aber aus Sicherheitsgründen mittlerweile nicht mehr ausgestellt und ist irgendwo in den Tiefen der UCL verstaut.

Wo kann man die Auto-Icon heute sehen?

Die Aufbewahrung der Auto-Icon war lange Zeit eine passende Holzkiste, die im Wilkins Building der UCL ausgestellt war. Auch dort war sie öffentlich sichtbar.

Seit 2020 wird sie im Erdgeschoss des Studentengebäudes ausgestellt, jetzt allerdings nur noch in einem Glaskasten.

Welche Verbindung hatte Bentham mit dem UCL?

Falls du dich fragst, warum Bentham im UCL ausgestellt wird, er war kein Gründungsmitglied, aber großer Befürworter. Denn eine gleiche Bildung für alle, das ging sehr mit seinen Gedanken einher. Daher wurde sein Körper der UCL durch seinen Freund Smith gespendet.

Das Bentham Project

Die Gedanken Benthams leben im Bentham Project der UCL weiter. Das wurde in den 1960ern gestartet und verfolgt das Ziel, die erste wissenschaftliche Ausgabe seiner Werke und seiner Korrespondenz zu erstellen. Diese Ausgabe wird voraussichtlich etwa achtzig Bände umfassen. Die Arbeiten dauern immer noch an und die Öffentlichkeit ist eingeladen mitzuhelfen, die Gedanken Benthams zu transkribieren. Mehr Details zum Bentham Project inkl. der aktuellen Updates findest du auf der passenden Webseite der UCL (hier).

Wenn du in der Gegend bist, dann könntest du deinen Besuch mit dem Petrie Museum ergänzen. Ein kleines, aber feines Museum über Archäologie, das ebenfalls zur UCL gehört, aber öffentlich zugänglich. Der Eintritt ist frei. Auch das Grant Museum of Zoology ist in der Nähe, ebenfalls kostenlos.