Last Updated on 29. Juni 2025
London ist bekannt für seine farbenfrohen Häuserzeilen – ob zartes Rosa, sonniges Gelb oder kräftiges Türkis: In Vierteln wie Notting Hill, Primrose Hill oder Chelsea reihen sich die pastellfarbenen Fassaden wie Bonbons aneinander und ziehen täglich hunderte Kameras an. Doch nicht alle Bewohner freuen sich über den Instagram-Hype vor ihrer Haustür. Im Mai 2025 schafften es Anwohner aus Notting Hill in die Presse, denn sie setzten ein deutliches Zeichen – und strichen ihre Fassaden schwarz. Eine stille, aber unübersehbare Botschaft: „Kein Fotospot!“ Denn wenn fremde Menschen auf deinen Eingangsstufen sitzen und für Fotos posieren, in kleinen Zelten auf dem Gehweg Klamottenwechsel vornehmen, dann entwickelt sich die Gegend schnell zu „Notting Hell“ und ich kann nur erahnen, wie nervig das für alle ist, die dort leben.
- Schwarze Häuserfronten aus Protest (c) Stefanie Wolf
Trotzdem: Wer mit Respekt und Rücksicht unterwegs ist, kann Londons farbenfrohe Fassaden weiterhin entdecken – auch abseits von Notting Hill. Hier kommen meine liebsten bunten Straßen, charmanten Mews und versteckten Farboasen.
Bunte Häuser in South Kensington
Wallgrave Road, South Kensington
Nur wenige Minuten von der Earl’s Court Station entfernt befindet sich die Wallgrave Road. Sie ist auf beiden Seiten mit bunten Häusern in kräftigen Farben versehen.
- Wallgrave Road South Kensington
- Wallgrave Road South Kensington
- Wallgrave Road South Kensington
Kynance Mews, South Kensington
Ein Mews ist ein ganz besonderes Stück Londoner Stadtgeschichte – charmant, versteckt und oft fotogen.
Ursprünglich waren Mews im 18. und 19. Jahrhundert Hinterhof-Gassen mit Stallungen und Kutscherwohnungen, die zu den großen Stadthäusern der wohlhabenden Familien gehörten. Dort wurden Pferde gehalten, Kutschen abgestellt und das Personal untergebracht. Mit dem Verschwinden der Pferdekutschen und der fortschreitenden Motorisierung wurden viele dieser Mews umgenutzt. Heute sind sie oft liebevoll restaurierte Wohnstraßen, gesäumt von kleinen Häusern mit Kopfsteinpflaster, Blumen vor der Tür und einem ganz eigenen Flair.
Und oft auch mit schönen Farben, die du u.a. bei einigen Häusern im Kynance Mews findest.
Ich mag die Mews wirklich sehr, finde es hier aber noch wichtiger, mit Respekt und Zurückhaltung durchzulaufen und zu fotografieren. Denn hier steht man quasi direkt vor den Haustüren der Anwohner und für mich wäre es ein echter Graus, wenn den ganzen Tag Menschen in meine Fenster schauen würden. Wenn du also Fotos machen möchtest, bitte entsprechend beachten.
Selfie-Hotspots in Pastell in Chelsea
Bywater Street Chelsea
Nahe der Saatchi Gallerie liegt die Sackgasse Bywater Street, wo es pastellige Häuserfronten zu sehen gibt.
Smith Terrace, Chelsea
Wenn du in Chelsea bist, dann schau auch in der Smith Terrace vorbei, auch hier pastellfarbene Häuser satt.
Godfrey Street, Chelsea
Und noch eine Straße in Chelsea, die mit bunten Fronten punktet, dieses Mal sind die Farben kräftiger. Viel Spaß beim Entdecken der Godfrey Street.
Primrose Hill
Chalcot Square, Primrose Hill
Der Chalcot Square ist mit wunderschönen Häusern im Regency Style gesäumt und wenn du die Paddington Bär Filme gesehen hast, dann kommt dir die Gegend vermutlich bekannt vor. Denn hier wurden Teile der Filme aufgenommen.
Und auch hier stehen viele bunte Häuser.
Bonbonfarbene Fassaden in Kentish Town
Kelly Street, Kentish Town
Bis fast ans Ende dieser Sackgasse stehen die identischen Häuser, die sich nur durch ihre farbliche Interpretation unterscheiden. Hier gibt es einen Mix aus kräftigen und pastelligeren Farbtönen.
Falkland Road, Kentish Town
In der Falkland Road stehen viele Häuser mit klassischer Backstein-Optik, aber zwischendrin kannst du auch ein paar bunt gestrichene Häuser entdecken. Und auch die eher farblosen Häuser gefallen mir gut.
Die Insta-Häuser in Notting Hill
Notting Hill zählt – nicht zuletzt dank des gleichnamigen Films, dem berühmten Portobello Market und Paddington Bär – zu den beliebtesten Vierteln Londons. Besonders am Wochenende strömen unzählige Besucher durch die Straßen. Die farbenfrohen Häuserfronten sind längst zu echten Klassikern geworden und gehören zu den meistfotografierten Motiven der Stadt.
Doch genau dieser Hype geht vielen Anwohnern inzwischen gewaltig auf die Nerven. Einige haben reagiert – und ihre einst pastellfarbenen Fassaden in mattem Schwarz gestrichen. Ein stiller Protest gegen den täglichen Selfie-Trubel.
Ob das Influencer wirklich abschreckt? Und ob bald noch mehr Häuser im dunklen Look erstrahlen? Man wird sehen.
Noch aber kannst du Londons berühmte bunte Häuser bewundern – zum Beispiel hier:
Portobello Road, Notting Hill
Entlang der Marktstrasse findest du nicht nur jede Menge Shops und Cafes, sondern auch bunte Häuser und vielen Menschen. Je nachdem, wann du die Gegend besuchst, kann es hier richtig voll sein (gerade zu den Marktzeiten am Wochenende).
- Bunt ist es auch entlang der Portobello Road
Lancaster Road, Notting Hill
Der Klassiker der Regenbogen-Häuser – die Lancaster Road. Hier stehen die ersten schwarzen Häuser (s. Introtext), mit dem gefrustete Anwohner die Insta-Nutzer und aufdringlichen Fotografen abschrecken wollen.
- Lancaster Road ist bekannt für ihre bunten Fassaden
- Wunderschön, oder?
St. Lukes Mews, Notting Hill
Eine weitere gemütliche Sackgasse, in der ehemalige Ställe und Garagen zu schicken und bunten Wohnhäusern umgebaut wurden.
Camdens Regenbogen-Palette
Camden ist ein bunter und verrückter Ort. Märkte, Punks, Cafes, Bars, Tattoo-Studios und verrückte Häuserfronten entlang der Camden High Street. An manchen Ecken immer noch ein wenig abgerockt, wie damals, als ich den Ort Ende der 1990er das erste Mal besucht habe, aber an vielen Stellen modern restauriert. Bunte Häuserfronten inklusive.
Bonny Street, Camden
Die Bonny Street liegt neben der Overground Station „Camden Road“. Achte auf jeden Fall auch auf den riesigen Camden Road Schriftzug an der Bahnbrücke direkt daneben, bevor du zur bunten Häuserentdeckung in die Bonny Street einbiegst. Hier sind die unteren Bereiche der Häuser bunt gestrichen, die oberen Bereiche sind im klassischen Backstein-Reihenhaus-Look.
Swinging 60s & bunte Häuser – die Carnaby Street
Die Carnaby Street mit iher langen Geschichte ist nicht nur ein Ort für spannende Kunstobjekte (s. auch den passenden Post „Kunst entlang der Carnaby Street„), sondern auch einer, wo Shopping auf bunte Häuser trifft.
Neal’s Yard
Ein leuchtendes Gegenbeispiel zu den vereinzelten dunklen Fassaden Notting Hills ist Neal’s Yard in Covent Garden – eine winzige Seitenstraße, die sich zu einem wahren Farbparadies entwickelt hat.
In den 1970er-Jahren war das einst ein heruntergekommener Hinterhof, bis der Unternehmer Nicholas Saunders das Potenzial entdeckte. Er eröffnete einen Naturkostladen und machte den Ort nach und nach zu einem Zentrum für Nachhaltigkeit, Gesundheit und Kreativität. Die bunten Fassaden und alternativen Läden sind geblieben – und machen Neal’s Yard bis heute zu einem der charmantesten Farbtupfer der Stadt.
Paddington
Conduit Mews ist wieder so eine schöne Gegend, dieses Mal nahe der Paddington Station.
Ob bonbonbunte Reihenhäuser, verträumte Mews oder farbenfrohe Hinterhöfe – Londons Farbpalette ist so vielseitig wie die Stadt selbst. Manche Orte sind laut, andere leise, manche voller Menschen, andere versteckt und still. Wenn du mit offenen Augen und ein wenig Achtsamkeit unterwegs bist, wirst du überall kleine Farbtupfer entdecken – ganz ohne Menschenmassen und Selfie-Trubel. Es lohnt sich auch immer, mal in die Parallelstraßen zu schauen. Denn dann wirst du vemutlich auch noch viele andere Dinge entdecken, Street Art, gemütliche Cafes, kleine Shops und Parks.
Und dann sind bunte Häuserfronten eine weitere Facette im Gesamtkonzept der coolsten Stadt der Welt. In diesem Sinne, viel Freude beim Entdecken!






