Ich reise oft und gerne in andere Länder und Städte und versuche dabei immer so wenig wie möglich als Tourist aufzufallen. Klar kann man das nicht ganz vermeiden, da meistens ein deutscher Akzent ins Spiel kommt, aber ich finde es nützlich zu wissen, wie man sich vor Ort optimal verhält. Damit deine Metamorphose in London schnell und unkompliziert klappt, kommen hier Survival Tipps für einen entspannten Urlaub.

Alltagsknigge und richtiges Schlange stehen

  • Die Briten sind sehr höflich. Anrempeln oder Schupsen geht gar nicht. Und wenn, dann wird sich beidseitig umfangreich entschuldigt. Ich habe erlebt, dass Leute denen ich aus Versehen auf den Fuß getreten bin, sich bei mir entschuldigt haben. Also auch lieber einmal mehr entschuldigen als einmal zu wenig.
  • „Excuse me, would you mind…“ Du hast eine Frage oder brauchst Hilfe? Starte am besten mit einer kleinen Entschuldigung (für die Störung bzw. das Ansprechen der Person) und sie wird dir sicherlich weiterhelfen.
  • Das Schlange stehen im Supermarkt oder sonstigen Geschäften geht hier anders und meiner Meinung nach so viel effektiver und mit deutlich weniger Frustpotential. Denn: man bildet einfach eine einzige Schlange und verteilt sich dann der Reihe nach auf freiwerdende Kassen. So kann das „immer an der falschen Kasse stehen“ – Gefühl erst gar nicht aufkommen.
  • Wichtig: Schlange stehen macht man auch an der Bushaltestelle. Es gibt sogar das Phänomen des „forming an orderly queue of one“. Immer dann anzutreffen, wenn sich bereits eine Person ordentlich in Schlange stellt. Wichtig: niemals vordrängeln! „Jumping the queue“ ist ein absolutes No-go!
  • Das gilt natürlich besonders, wenn du im Pub bist und Getränke bestellen willst. Ein Besuch ist schon fast eine Wissenschaft für sich, aber dazu gleich mehr…

Survival Guide für den Pub Besuch

  •  In England ist es üblich ganze Runden zu bestellen. In einer Gruppe bestellt nie einer nur ein Bier für sich.
  • Die Bestellung gibt man direkt an der Bar auf, dort bezahlt man auch sofort und nimmt die Getränke gleich mit. Wichtig: Trinkgeld wird nicht erwartet. Essen wird auch sofort bezahlt, aber später an den Tisch gebracht.
  • Die Zahlung mit Kreditkarte ist in England übrigens deutlich verbreiteter als in Deutschland.
  • Bier und Cider (Apfelwein) werden in Pint bzw. Half-Pint Gläsern ausgeschenkt, wobei ein Pint etwas mehr als ein halber Liter ist.  Wichtig zu wissen: unter Männern ist es absolut verpönt Half-Pints zu bestellen. Man trinkt entweder gar nicht oder richtig.
  • Unbedingt beachten, wenn du zwei Getränke bestellen und dabei die Anzahl mit den Fingern anzeigen willst: das Peace Zeichen mit der Handfläche zur Bar zeigt an, dass du zwei Drinks willst, wenn du aber das Peace Zeichen machst und die Handfläche zu dir zeigt (du also deinen Handrücken zur Bar hältst), ist das eine krasse Beleidigung (ein F*** you!) und könnte leicht zu Eskaltionen führen…

Richtiges Benehmen in der Tube

  • Die Londoner Ubahn, die Tube, bringt dich schnell, zuverlässig und günstig von A nach B. Seit Ende 2016 wird am Wochenende auf ausgewählten Linien sogar die ganze Nacht durchgefahren (die Night Tube). Wie in anderen Großstädten auch, gilt: erst aussteigen lassen, dann einsteigen. Nicht direkt an der Tür stehenbleiben, sondern in die Gänge weitergehen und die Türen nicht versperren oder gar aufhalten. Das ist in London auch gar nicht nötig, weil die nächste Bahn meistens wenige Minuten später fährt. Am Tag kommen sie manchmal sogar im Minutentakt.
  • Die Höflichkeit der Briten findest du auch in der Tube wieder. Hier wird älteren Menschen meist sofort ein Sitzplatz angeboten. Als Frau hat man generell gute Karten, dass man einen Platz bekommt.
  • Gut zu wissen: die Türen der Tube öffnen sich von selbst, d.h. du musst die Drücker nicht bedienen. Ausnahmen sind die Dockland Light Railway (DLR) und die Overground, dort musst du die Türen selber öffnen.
  • Ein wichtiger Hinweis: Vermeide als Tourist mit vielen und/oder großen Koffern die Ubahn  während der Rushhour, wenn morgens alle zur Arbeit oder in den Feierabend wollen. War ich immer genervt, wenn früh morgens die Liverpool Street mit Touris verstopft war, die einfach am Ende der Rolltreppe stehen geblieben sind und sich erst mal orientieren mussten. Schließlich bist du ja auch im Urlaub und kannst ausschlafen und die Fahrt ist auch noch günstiger, wenn du „off-peak“ (also außerhalb der Rushhour) fährst. Die Rushhour ist übrigens morgens von 6.30 bis 9.30 Uhr und abends von 16 bis 19 Uhr. Falls du doch zu diesen Zeiten fährst, einfach dran denken nicht mitten im Weg stehen zu bleiben und zur Orientierung einfach an den Rand stellen.
  • Auf den Rolltreppen gilt: rechts stehen, links gehen. Also nicht nebeneinander stehen bleiben und quatschen (und damit denen, die die Treppe laufen wollen, den Weg versperren), sondern auf unterschiedlichen Stufen auf der rechten Seite stehen.
  • In der Ubahn kannst du fast alles machen: schlafen, trinken, essen (so lange es keine „smelly food“ ist), Make up auftragen, Musik hören, leise mit deinen Freunden sprechen. Aber auf gar keinen Fall: Augenkontakt zu Mitfahrern herstellen, kein Anlächeln, kein Smalltalk! Am unauffälligsten ist es, mit geradem Blick vor sich hinzustarren, sich natürlich umfangreich zu entschuldigen, falls du aus Versehen jemanden berührst und dann zügig auszusteigen.
  • An einigen Stationen (z.B. Covent Garden) befördern dich Lifte zurück an die Oberfläche. Wenn du im Lift eine freundliche Stimme hörst (oder einen entsprechenden Aufkleber siehst), die dich bittet dein Ticket bereit zu halten – höre auf die Stimme! Die Türen vom Lift gehen auf und du stehst quasi direkt vor den Ticketmaschinen, wo du dein Ticket zeigen musst. Wenn du bereits davorstehst und dann erst in der Tasche kramst, bildet sich logischerweise eine Schlange hinter dir und du verstopfst den Weg. Also beim „please have your tickets ready“ das Ticket schon mal in die Hand nehmen. Gleiches gilt übrigens auch generell vor den Ticketschaltern. Wenn du dein Ticket noch suchen musst, kurz an die Seite stellen und Platz machen für die, die das Ticket griffbereit haben.
  • „Mind the gap“, dieser Spruch ist weltweit bekannt. Du hörst ihn oft und siehst ihn auf dem Boden am Bahnsteig aufgedruckt. Doch warum ist das nötig? Immer dann, wenn es einen Abstand zwischen Bahnsteig und Wagen gibt, besteht die Gefahr, dass man in den Spalt tritt. Um das zu vermeiden, aufpassen ob es einen Spalt gibt. Diesen dann mit einem größeren Schritt umgehen und vor allem bei Kindern und Hunden drauf achten, dass die das auch tun.

Zu guter Letzt noch ein paar generelle Infos:

  • Wenn du während deines Aufenthaltes so wenig wie möglich als Tourist wahrgenommen werden willst, kannst du folgendes probieren: Outdoorjacke und Trekkingschuhe gegen Turnschuhe und normale Jacke und den Reiseführer gegen die kostenlose Ubahn Zeitung “Metro“ tauschen. In der Ubahn wenig reden, entspannt vor dich hinstarren und dann die echten Londoner beobachten (aber ganz unauffällig natürlich…).
  • In London gibt es Linksverkehr. Achte beim Überqueren der Straße ganz besonders darauf, in die richtige Richtung zu schauen.

    In England verwendet man andere Stecker. Wenn du Glück hast, gibt es in deinem Hotel vielleicht einen Kontientalstecker, aber die meisten haben die 3-poligen. Also den Adapter nicht vergessen.

  • Auch wenn der ewige Regen ein böses Gerücht ist, kann es – wie in jeder anderen Stadt auch – regnen. Also lieber hab einen Regenschirm dabei.
  • Falls du einen neueren Reisepass mit Chip hast, empfehle ich dringend diesen für die Passkontrolle zu nutzen. Denn dann kannst du die automatischen Gates nehmen, bei denen die Passkontrolle incl. Einreise in wenigen Minuten erledigt ist.

Mit diesen Survival Tipps bist du gut gerüstet für dein Abenteuer in London, viel Spaß beim Entdecken der Stadt!

 

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