Last Updated on 28. April 2024
Der Mercers‘ Treasure Walk ist so viel mehr als ein einfacher Spaziergang durch das Herz von Londons lebhaftem Stadtteil Covent Garden. An sechs Stationen erfahren wir mehr über die Geschichte der Worshipful Company of Mercers – der ältesten und prestigereichsten Livery Company in London.
Komm mit und entdecke ein neues Stück Covent Garden.
Der Mercers‘ Treaure Walk in Covent Garden
Bevor wir uns die einzelnen Stationen des Treasure Walks genauer ansehen, lasst uns kurz drüber sprechen, wer die Mercers waren und heute noch sind und auch wer die Mercers‘ Maiden ist. Denn deren Antlitz wirst du nach diesem Post überall in der Gegend wahrnehmen – versprochen.
Die Mercers – damals und heute
Der Name Mercer ist abgeleitet vom französischen Wort für Kaufleute. Ursprünglich exportierten die Mercers
Wolltücher und importierten Luxusstoffe. Heute verwalten sie mehrere wohltätige Stiftungen und Gebäude, die von Wohltätern vererbt wurden.
Die Mercers‘ Company steht an erster Stelle der Londoner Livery Companies (der Londoner Gilden). Von denen gibt es insgesamt 111, die obersten 12 werden als Great Twelve City Livery Companies bezeichnet.
Die Mercers schauen auf eine 700 Jahre alte Geschichte zurück, 1394 wurde das Royal Charter von Richard II verliehen. Ihre erste Versammlungsstätte (Mercers Hall) wurde vom großen Feuer 1666 zerstört, die neu errichtete im Zweiten Weltkrieg. Die aktuelle Hall steht seit 1958. Die ausführliche Geschichte der Mercers findest du auf ihrer Webseite im Bereich 700 year timeline.
Wichtige Namen, die mit den Mercers verbunden sind:
- Thomas Becket (1118-1170) – der Sohn eines reichen Händlers der City of London wurde unter Henry II zum Erzbischof von Canterbury ernannt. Einst guter Freund des Königs und sogar mit der Erziehung von dessen Söhnen betraut, kam es zum Zerwürfnis, das zur seiner Ermordung am 29.12.1170 in der Canterbury Cathedral führte. Drei Jahre nach seiner Ermordung sprach ihn der Papst heilig und der Kult um Thomas Becket verbreitete sich in ganz Europa. Die Knights of St Thomas (die sich 20 Jahre nach seinem Tod gründeten) erwarben 1220 das Geburtshaus ihres Heiligen und errichteten dort ein Krankenhaus. Die Mercers trafen sich ab dem 14. Jahrhundert dort und als Henry VIII 1538 die Klöster auflöste, kaufen die Mercers das Grundstück. Die Mercers Hall wurde dort errichtet.
- Diese Plakette in der City markiert die Nähe des Geburtsortes von Thomas Becket
- Büste von Thomas Becket in der City of London
- Thomas Gresham (ca. 1510 – 1579) – war Kaufmann, der Wolle nach Antwerpen exportierte. Er war u.a. der finanzieller Berater von Elizabeth I. Er regte 1565 den Bau des Royal Exchange an, ein Ort, wo Kaufleute erstmalig unter einem Dach ihren Handel betreiben konnten (heute befinden sich hier Nobelshops und Restaurants). Gresham vererbte das Gebäude (dessen Namen auf Elizabeth I zurückgeht) an die Mercers und die City of London mit der Auflage, dass sie ein College gründen mögen. Das Gresham College ist heute noch tätig und vermittelt Wissen öffentlich und kostenlos. Ich war schon bei mehreren Vorlesungen im alten Saal im Barnards Inn dabei. Fun Fact: das Symboltier von Gresham ist die Heuschrecke, die du nahe dem Royal Exchange mehrfach an Häusern findest. Achte mal drauf.
- Die Heuschrecke ist das Symboltier von Sir Thomas Gresham
- Winston Churchill – als Zeichen der Dankbarkeit für seine Führungsrolle im Zweiten Weltkrieg boten alle Gilden ihrem Premierminister eine Mitgliedschaft an. Die Wahl wurde Churchill überlassen, der sich für die Mercers entschied. Am 25. April 1945 fand die „Clothing on the livery“ Zeremonie in den Ruinen der im Krieg zerstörten Mercers Hall statt.
Heute widmen sie die Mercers vor allem wohltätigen Zwecken und der Pflege ihres umfangreichen Immobilienbesitzes.
Wer ist die Mercers‘ Maiden?
Warum der Kopf und Oberkörper einer Frau das Symbol der Mercers wurde, dafür gibt es keine Erklärung mehr. Die Ursprünge der Mercers‘ Maiden als Zeichen sind verschollen.
Dennoch siehst du das Symbol nahezu überall in Covent Garden. An Haustüren, über Hauseingängen, an Pollern – es markiert Eigentum der Mercers. Und ich wette, jetzt wo du weißt, worauf du achten musst, wirst du sie viel öfter wahrnehmen. Ggf. auch vereinzelt in anderen Ecken Londons, aber vermehrt in Covent Garden.
- Die Mercers‘ Maiden findest du auf Häusern, Türen, Pollern…
Stationen des Mercers‘ Treasure Walk
Es gibt sechs Stationen, die es zu entdecken gibt. Jede besteht aus einer Plakette mit Kurzerklärung sowie einem kleinen Schaukasten, der eine Szene beschreibt. Dieser Schaukasten ist entweder wie ein Backstein in die Wand eingelassen oder befindet sich im Boden. Ein bisschen Suchaufwand ist mit ihnen verbunden, weil sie oft von Kartons oder Blumen verdeckt werden. Ich habe auch noch nicht alle optimal erwischt.
- Die Übersicht des Mercers‘ Treasure Walk in Covent Garden
1) Die Maulbeerenpflanze (Mulberry plant)
Der Maulbeerenbaum ist das Lieblingsessen von Seidenraupen. Und Seide war der kostbarste Stoff der Mercers. Als Erinnerung liegt ein Ast mit Blüten im Schaukasten im Boden. Hier fehlt leider noch das Bild.
2) Sheep and lambs
Bis ins 19. Jahrhundert war Wolle die Exportware Nummer ein. Diese wurde über die Mercers nach Europa verkauft. Im Gegenzug importierte man andere Luxustextilien. Der kleine Schaukasten im Boden erinnert mit kleinen goldenen Figuren an die vielen Schafe und Lämmer, die ihre Wolle gaben.
- Goldene Schafe und Lämmern erinnern an den Wollexport
3) The Mercers Maiden in the Clouds
Seit dem 14. Jahrhundert repräsentiert die Mercers‘ Maiden die Mercers, auch wenn keiner mehr wirklich weiß, warum überhaupt.
- Maiden in the Clouds – eine Station des Mercers‘ Treasure Walk
4) Sir Thomas Gresham & The Royal Exchange
Auf Sir Thomas Gresham geht der Bau des Royal Exchange zurück, den du als Miniaturfassung im Schaukasten siehst.
- Sir Thomas Gresham und der Royal Exchange
5) Die Ermordung von Thomas Becket
In diesem Schaukasten ist die Ermordung von Thomas Becket in der Canterbury Cathedral nachgestellt.
- An 6 Stationen befinden sich Plaketten und Schaukästen
- Detailaufnahme Ermordung von Thmas Becket
6) Der Zeremonienkahn
Die jährlich Anfang November stattfindende Lord Mayor’s Show führt heutzutage durch die City of London. Das war nicht immer so. Bis 1856 fand die Zeremonie auf der Themse statt und jede Livery Company hatte ihren eigenen Kahn (englisch barge). Das Model in diesem Schaukasten in der Wand zeigt das letzte Zeremonienboot der Mercers aus 1718. Hier fehlt mir leider noch ein gutes Foto, musst du dir solange vorstellen.
Weitere Kunstwerke im Mercers‘ Treasure Walk
The Dorothea
Eine großflächige Installation von Ästen und Blättern an einer Hauswand erinnert an St Dorothy of Cesarea, die Schutzheilige von Obstgärten. Die detailreiche Plakette neben der Installation erklärt außerdem, wie die Mercers in den Besitz des Grundstücks kamen (durch eine Schenkung in 1530). Am oberen Ende der Plakette ruht natürlich eine Mercers‘ Maiden.
- Plakette zum Kunstwerk „The Dorothea“
- The Dorothea
Mercers‘ Maiden
Die bronzefarbene Büste einer Frau ist relativ weit oben an einem Gebäude installiert. Das Kunstwerk von Ian Rank-Broadley wurde von den Mercers in Auftrag gegeben, um die Neuentwicklung der Mercer Street zu gestalten. Sie ist als „The Spirit of the Garden“ gefertigt, ähnelt aber sehr der Mercers‘ Maiden, die dir an so vielen Orten in Covent Garden von Häusern, Eingängen und Pollern entgegenblickt.
- Mercers‘ Maiden/Spirit of the Garden
Langley Street Gate von Bex Simon
Auch dieses wunderschöne und aufwändig dekorierte Tor kannst du auf deinem Besuch entlang des Mercers‘ Walks entdecken. Es befindet sich in der Langley Street und wurde vom Künstler Bex Simon designt.
- Langley Street Gate von Bex Simon
Not all who wander are lost von Adam Gant
Auf einer gelben Hauswand befindet sich eine metallene Erdkugel, die mit den Worten „not all who wander are lost“ umrandet ist. Diese Arbeit stammt von Adam Gant.
- Not all who wander are lost – Kunstwerk von Adam Dant in Covent Garden
Ich hoffe dieser Post hat Lust auf einen Besuch in einer neuen Ecke Covent Gardens gemacht. Viel Spaß beim Entdecken der Stationen vor Ort.


















