Last Updated on 3. Mai 2025

Wenn du dachtest, Piraten gehörten nur auf die hohe See, dann hast du Londons abenteuerliche Vergangenheit noch nicht entdeckt. Zwischen alten Docks, geheimen Kneipen und vergessenen Gassen schlummern Geschichten von Freibeutern, Schmugglern und vergrabenen Schätzen. In diesem Blogpost nehme ich dich mit auf eine Schatzsuche durch London – zu Orten, an denen Seeräuber ihre Spuren hinterließen. Also, Kompass gezückt und Augenklappe auf: Wir stechen in See – mitten im Herzen der Hauptstadt!

Bevor wir jedoch starten, ein wenig Hintergrundwissen für euch.

Kurze Zusammenfassung zum Piratentum in England

Die englische Piraterie blickt auf eine lange Geschichte zurück und erreichte ihren Höhepunkt im Elisabethanischen Zeitalter (1588–1603), als England unter Königin Elizabeth I spanische Schiffe durch staatlich unterstützte Freibeuter angreifen ließ, um die spanische Seeherrschaft herauszufordern.

Berühmte Persönlichkeiten wie Sir Francis Drake (1540 – 1596) – der erste Engländer, der die Welt umsegelte – trugen maßgeblich zur Entwicklung Englands als Seemacht bei. Er förderte auch den Schiffsbau mit der elisabethanischen Galeone. Details zu Drake’s Leben kannst du übrigens im passenden Post „Die Golden Hinde“ nachlesen.

Auch William Kidd und der legendäre Blackbeard gehörten zu den bekanntesten Piraten jener Zeit.

William Kidd (1654 -1701) war gebürtiger Schotte und ein angesehener Kaufmann, bevor er Pirat wurde und mit einer offiziellen Freibeuterlizenz französische Schiffe angreifen durfte. Ein tödlicher Kampf mit seinem Geschützmeister William Moore führte am 23. Mai 1701 am Execution Dock in London zu seinem Tod durch Erhängen. Was erst im zweiten Anlauf gelang, denn beim ersten Mal riss der Strick. Er wurde danach geteert und in Ketten gelegt in einen Käfig an der Themse aufgehangen. Das sollte als Abschreckung für andere Piraten dienen.

Blackbeard (Edward Teach oder Thatch, 1680 – 1718) wurde durch seinen langen schwarzen Bart, in den er beim Angriff gerne brennende Lunten flocht, um noch teuflicher zu wirken, bekannt.

Obwohl die britische Krone 1714 ihre Unterstützung für die Piraterie offiziell einstellte, setzten viele ihre Raubzüge eigenständig fort.

Piraten Spaziergang durch London

Der folgende Spaziergang kann einen ganzen Tag füllen, je nachdem wie lange du in den vorgeschlagenen Pubs einkehrst und wie gründlich du die erwähnten Museen besuchen möchtest. Die Strecke kann man komplett erlaufen, aber natürlich auch immer auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen. Sogar eine Strecke mit dem Boot wäre möglich. Entscheide selbst, wie du dir den Tag einteilen möchtest.

Startpunkt ist das Clink Prison Museum.

Clink Prison Museum

Wir starten unseren Piratenausflug am Clink Prison Museum. Und zwar betrachten wir dort heute nur die Außenfassade, denn dort hängt über dem Eingang ein Eisenkäfig. In solch einer Konstruktion wurden tote Piraten oft an einem Galgen (einem sogenannten Gibbet) aufgehangen, um als Abschreckung für potentielle Nachahmer zu dienen. Wo ein solcher Galgen stand, erfährst du weiter unten im Text.

Eine Replika eines solchen Käfigs findest du übrigens auch im London Museum Docklands.

Behalte das abschreckende Beispiel im Hinterkopf, aber als nächstes erkunden wir erst einmal das Leben an Bord eines Piratenschiffes.

Denn in nur wenigen Minuten stehst du vor einem historisch aussehenden Holzschiff mit einer goldenen Rehkuh – der Golden Hinde.

The Golden Hinde

Die Golden Hinde ist eine Replika des Schiffes, mit dem Sir Francis Drake einst die Welt umsegelte. Das Originalschiff existiert seit 1662 nicht mehr, aber beim Nachbau ist alles naturgemäß nachgebaut, inkl. niedrigen Decken und unebenen Böden. Für Eindrücke aus dem Schiff, schau mal im Post „Die Golden Hinde“ nach.

Ein Besuch vermittelt sehr eindrucksstark, wie einfach und anstrengend das Leben an Bord gewesen sein muss. Ich bin 1,65m groß und musste fast die ganze Zeit gebückt laufen. Wenn ich mir jetzt noch Seegang vorstelle…puh…

Wenn es zeitlich passt, nimm unbedingt eine der Führungen mit, die noch mal viel mehr Details vermitteln. Buchung von Tickets und mehr Infos auf der Webseite der Golden Hinde.

Der nächste Stopp ist ca. 45 Minuten Fußweg entfernt. Wir überqueren die Themse an der Tower Bridge und halten uns am Ufer in Richtung Osten. Über das St. Katherine’s Dock geht es direkt nach Wapping. Unser Ziel ist das Captain Kidd Pub.

Captain Kidd Pub

Das Captain Kidd ist ein uriger Pub direkt an der Themse, benannt nach dem gleichnamigen und berüchtigten Piraten Captain William Kidd. Der Pub liegt nahe dem Ort, an dem Kidd 1701 hingerichtet wurde – die Hinrichtung brauchte mehrere Versuche (s. weiter oben im Text).

Für Öffnungszeiten und die Speisekarte besuche die Webseite vom Captain Kidd Pub.

Das Execution Dock & Prospect of Whitby Pub

Das Execution Dock war der Ort, an dem über Jahrhunderte Piraten, Schmuggler und Seeräuber hingerichtet wurden – oft öffentlich, um abschreckend zu wirken. Die Prozedur wurde durch sehr kurze Stricke noch verschlimmert, denn so erstickten die zum Tode Verurteilten langsam und qualvoll, da ihre Nacken durch den kurzen „Fall“ nicht brachen. Die zappelnden Zuckungen, die ihre verzweifelten Körper in den letzten Minuten vollzogen, wurden als „Marshal’s Dance“ bezeichnet.

Nach dem Tod wurden viele von ihnen noch so lange am Galgen hängengelassen, bis die Flut drei Mal über sie hinweg gewaschen hatte. Ganz berüchtigte Piraten wurde danach noch geteert und ihre Körper in Käfigen zur Schau gestellt. So erging es z.B. auch Captain Kidd.

Der genaue Standort des Execution Dock ist heute nicht mehr bekannt und auch den Galgen von damals gibt es nicht mehr. Aber irgendwo zwischen dem Town of Ramsgate Pub und dem Prospect of Whitby Pub muss dieser berüchtigte Ort gewesen sein.

Und am Ufer der Themse (an der Wapping Beach), steht vor dem Prospect of Whitby Pub eine Replika eines solchen Galgens. Den Strick kannst du von der Terrasse aus im Wind schaukeln sehen. Wem dieser Anblick nichts ausmacht, hier kann man auch gut essen und trinken. Für das Angebot und die Öffnungszeiten besuche die Webseite des Prospekt of Whitby Pub.

Die beiden letzten Hingerichteten am Execution Dock waren übrigens George Davis und William Watts. Beiden wurde Piraterie vorgeworfen und sie wurden am 16. Dezember 1830 hingerichtet. Danke an Historic UK für diese Zusatzinfo.

Nächster Stopp ist das London Museum Docklands, das knapp 35 Minuten Fußweg von hier entfernt ist.

London Museum Docklands

Das Schwestermuseum des London Museum hat einen Fokus auf der Geschichte der Londoner Docks, dem Sklavenhandel, Schmuggel und – ja – auch Piraterie. Eine Zeitreise durch Londons Geschichte zwischen 1600 und der heutigen Zeit, verteilt auf verschiedene Themenräume, deren Dauerausstellungen übrigens alle kostenlos sind!

Infos zu den Öffnungszeiten, Vorabinfos zu den einzelnen Ausstellungen und aktuellen Events findest du auf der Webseite vom London Museum Docklands.

Finaler Stopp ist dann das National Maritime Museum in Greenwich. Wenn du noch Muse auf einen Spaziergang hast, plane ca. eine Stunde ein. Ansonsten könntest du auch ab Canary Wharf mit einem der Thames Clippers Uber Boote nach Greenwich schippern. Das dauert inkl. Fußwegen zu Anleger und Museum dann ca. 30 Minuten. Vielleicht wäre eine Bootsfahrt bei dem Thema sogar angemessener. Stell dich nach draußen an Deck, lasse den Wind durchs Haar fahren und stell dir vor du bist ein/e Pirat/in.

National Maritime Museum

Das National Maritime Museum in Greenwich hat eine große Dauerausstellung rund um die allgemeine Seefahrtsgeschichte – inklusive Piraterie in der Karibik, Freibeutern und Seegefechten. Ein großer Fokus liegt auf Admiral Lord Nelson (u.a. gibt es seine Uniform inkl. Einschussloch zu sehen, dessen Verletzung zu seinem Tod führte). Das Museum bietet auch lehrreiche und spannende Onlinebeiträge, z.B. zur Frage nach weiblichen Piraten. Und kleiner Teaser – ja, es gab sie und sie waren alle knallhart.

Derzeit (Stand Mai 2025) gibt es auch die große Sonderausstellung „Pirates“, die noch bis 4. Januar 2026 läuft. Während das restliche Museum kostenlos ist, wird für diese Ausstellung Eintritt verlangt. Ich kann sie jedoch nur empfehlen!

Historische Fakten und Geschichten rund um echte Piraten im Mix mit Kostümen bekannter Filme, ein kleiner Fokus auf dem „Treasure Island“ Buch, viele Piratenflaggen – sogenannte Jolly Rogers – und vieles mehr. Man lernt, welche Vorurteile gegenüber Piraten wahr sind und hat zwischendurch immer wieder die Möglichkeit „Piratisch“ zu lernen. Auch von berühmten weiblichen Piraten wird berichtet. Ich habe alles genau studiert bzw. angesehen und war nach ca. 1 Stunde fertig.

Die Buchung der Tickets und die Öffnungszeiten findest du auf der Webseite des National Maritime Museums.

Nach diesem letzten Stopp bist du jetzt vermutlich Experte, was Piraten an sich und wichtige Orte in London, die mit ihnen assoziiert werden, angeht. Viel Spaß beim Nachlaufen und entdecken.

Und falls du den Tag noch in Greenwich ausklingen lassen möchtest, im passenden Post „Greenwich – die Must-See“ findest du einige Anregungen.

Bonus: Die Rhum Tavern – Trinken wie ein Pirat

Ein Bonus für alle, die nahe dem Oxford Circus unterwegs sind. Bucht euch einen Tisch in der Rhum Tavern. Der Innbegriff einer Piratenkneipe. Der schlauchförmige Innenraum ist mit viel Holz gestaltet und vermittelt den Eindruck, dass man unter Deck – z.B. der Golden Hinde, allerdings mit deutlich mehr Kopfraum – sitzt. Eine aufwändige Deko mit Golddukaten an der Bar, Totenschädeln berühmter Piraten, Kompasse, Landkarten und schwarzen Totenköpfe als Toiletten machen den Besuch auch optisch zu einem Highlight.

Die Cocktails sind – wie der Name vermuten lässt – rumbasiert. Die Gläser sind nicht so groß und die Preise aber trotzdem auf Londoner Niveau. Der „Dead Men tell no lies“ kostet fast 20 GBP, dafür wird er aber auch in einem Schädel serviert (und ist auch der teuerste Cocktail). Mir war’s das trotzdem wert. Essenstechnisch ist es hier eher limitiert, gerade für Vegetarier (es gibt Oliven, Mais oder Brot mit Öl). Zubereitet wird das Essen auf einem Grill an der Bar. Aber Fokus ist ja – wie es für einen echten Piraten gehört – auf Rum. In diesem Sinne Prost und arrr!!!

Falls dir noch weitere Locations anfallen, die mit Piraten in London zusammenhängen, dann lass gerne einen Kommentar da und ich ergänze die Aufstellung.