Der „Remembrance Day“, weniger förmlich auch „Poppy Day“ genannt, findet jährlich am 11.11. statt und gedenkt den Kriegsgefallenen des Ersten Weltkrieges. In der elften Stunde des elften Tages im elften Monat 1918 stoppten nach über 4 Jahren Krieg die Waffen. Diesem Ereignis wird an vielen Orten weltweit mit zwei Schweigeminuten gedacht. In London findet „Silence in the Square“ in Trafalgar Square statt.

Am zweiten Sonntag im November ist dann „Remembrance Sunday“. Es gibt verschiedene Konzerte, Gottesdienste und Vertreter der königlichen Familie werden an einem Kriegsdenkmal, dem „Cenotaph“ in Whitehall, Blumenkränze niederlegen.

Rund um den „Rememberance Day“ wirst du in London an fast jedem Revers oder Mantelkragen eine rote Ansteckblume sehen. Diese Blume ist ein roter Klatschmohn, auf englisch „Poppy“.

Warum der Klatschmohn?

Der Klatschmohn steht mittlerweile als Synonym für den „Remembrance day“. Doch warum gerade diese Blüte? Ein Grund ist, dass Klatschmohn auf den Feldern in Flandern während des Ersten Weltkrieges blühte. Ein weiterer, dass die rote Farbe der Blütenblätter als ein Symbol für all das vergossene Blut angesehen wird.

Auch das Gedicht “In Flanders Fields” von John McCrae, der es im ersten Weltkrieg schrieb, um damit den Verlust eines Kameraden zu verarbeiten, nutzt die Poppies als Sinnbild.

Die Tradition, dass als Zeichen der Solidarität und zum Gedenken Mohnblüten am Revers getragen wird, kam erstmals in 1921 auf. Damals wurden noch echte Mohnblüten verwendet, mittlerweile sind sie künstlich. Nicht alle sehen wirklich naturgetreu aus, aber hier zählt wohl auch eher die Geste.

“Blood Swept Lands and Seas of Red” – Sonderausstellung rund um den Tower of London (2014)

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges jährte sich 2014 zum hundertsten Mal und im Burggraben vom Tower of London gedachte man dessen auf ganz besondere Art. Die Künstler Paul Cummins und Tom Piper hatten für ihre Ausstellung „Blood Swept Lands and Seas of Red“ die Vision, für jeden gefallenen Soldaten eine Klatschmohn-Blüte aufzustellen. Zusammen mit vielen Freiwilligen haben sie dann 888.246 Poppies getöpfert und über mehrere Wochen im Burggraben rund um den Tower of London aufstellt. Die letzte Blume wurde am 11. November 2014 gesetzt. Der Tower schwamm in roten Blumen bzw. Blut. Ich war damals vor Ort und war beeindruckt und erschrocken zugleich. Beeindruckt, weil die Ausstellung an sich großartig aussah. Erschrocken, weil diese vielen Blüten noch einmal ganz anders klargemacht haben, wie viele Menschen in diesem Krieg gestorben sind.

Wenn du dich jetzt fragst, was mit den ganzen Blüten nach Ablauf der Ausstellung im November 2014 passiert ist: man konnte die Poppies kaufen und mit den Einnahmen wurden verschiedene Charities unterstützt, die sich u.a. um zurückgekehrte Soldaten kümmern. Es sind mehrere Millionen Pfund zusammengekommen.

Weeping Window – Poppies am Imperial War Museum (IWM) London (2018)

Vom 5.10. bis 18.11.2018 sind die Poppies von Paul Cummins und Tom Piper erneut zu sehen. Dieses Mal gibt es eine Installation am Imperial War Museum in London. Die Blüten fließen aus einem Fenster, dem “Weeping Window”, dessen Tränen die Klatschmohnblüten sind.

Remembrance Art Trail in Canary Wharf

Vom 29.10. bis 11.11.2018 findet in Canary Wharf zwischen der DLR und der Tube Station der “Remembrance Art Trail” statt. In Zusammenarbeit mit der Royal British Legion hat der Künstler Mark Humphrey 11 Kunstwerke geschaffen, die an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren erinnern.

Der 11.November – Unterschiede zwischen Deutschland und UK

Wer aus Deutschland und dann auch noch aus der Rheinregion kommt, bei dem löst 11:11 Uhr am 11. November eine ganz andere und auch deutlich lustigere Assoziation aus. Viele feiern dann den Beginn des Karnevals/Faschings.

Wenn du beruflich oder privat mit Menschen aus UK zu tun hast, berücksichtige, dass man ggf nicht versteht, was die Deutschen so Tolles an diesem Tag finden. Und dass Erzählungen von großen Feiern und Besäufnissen mitunter auch als respketlos angesehen werden können.