Last Updated on 19. September 2022

London und ich, das war Liebe auf den ersten Blick, damals Ende der 1990er. Noch immer ist die Stadt mein Sehnsuchtsort. Der Ort, an dem ich mich frei, glücklich und immer ein wenig cooler fühle als irgendwo sonst. Noch einmal eine längere Zeit vor Ort zu sein und hier zu leben, das steht schon lange auf meiner Wunschliste. Und im Sommer 2022 wird dieser Traum endlich Realität.

In diesem Blogpost nehme ich dich mit zu den Planungen dieser besonderen Zeit und hier wird eine Art Tagebuch entstehen, das meine Erinnerungen konserviert und dich virtuell auf eine längere Reise mit nach London nimmt.

Mein Sabbatical in London

Januar 2022 – Die Vorbereitungen starten

Frisch aus den Weihnachtsferien zurück im Büro teile ich meine Entscheidung mit, dass ich in diesem Jahr ein Sabbatical machen möchte. Das muss mindestens 6 Monate im Voraus angekündigt werden und damit steht auch fest, dass diese Zeit auf den Sommer fallen wird. Passt mir wunderbar, denn gerade der September ist meine Lieblingszeit vor Ort.

Februar 2022 – Lasst die Planungen beginnen

Die formalen Prozesse sind gestartet und die Vorfreude beginnt. Als Fan der ausführlichen Reiseplanung wird ein neues virtuelles Whiteboard eröffnet und die ersten Kategorien angelegt. Was wollte ich schon immer mal erleben? Wo schon immer mal essen? Welche Museen fehlen mir auch nach all den vielen Jahren immer noch?

Ein erstes Event buche ich auch schon, denn eine Übernachtung im Natural History Museum steht schon so lange auf meiner Wunschliste. Ich habe ein wenig Angst, wie mein Rücken auf eine Übernachtung auf dem Boden reagiert, aber das Risiko muss ich eingehen. Denn es gibt die ganze Nacht über Filme, Bingo, Abendessen, Frühstück und sogar eine Yogastunde am Morgen. Spätestens die wird die Rücken schon wieder richten. Ein nicht ganz so günstiger Spaß, aber die Mitgliedschaft im Museum zahlt sich aus, da ich ein paar Pfund spare. Und außerdem, was ist Geld schon…

Diese Gedanken habe ich gerade seit Ende Februar immer öfter. Der Krieg in der Ukraine löst eine tiefe Krise in mir aus. Warum soll ich Geld sparen, wenn ein Krieg so nah vor der Haustür stattfindet? Warum gibt es Kriege überhaupt noch in der heutigen Zeit, haben wir nicht andere, viel wichtiger Themen?

Die Lage löst bei mir aber auch eine Art “Jetzt erst recht” Stimmung aus. Wenn nicht jetzt, wann dann ist die perfekte Zeit, um die Bucket List für London endlich abzuarbeiten? JETZT ist die Zeit, um den Moment zu genießen. Und dieses JETZT wird im September seinen Höhepunkt in London haben.

März 2022

Das Datum für meine Londonzeit steht. 4 Wochen werden es sein. 4 Wochen, um mich als Teil dieser wunderbaren Stadt zu fühlen. Eine Zeit, die bewusst gewählt wurde, denn ich möchte das Architekturfestival Open House mitnehmen und auch noch Teile vom London Month of the Dead erleben. Für beide Events steht das Programm noch nicht fest, aber ich behalte das genau im Auge.

April 2022

Wo will ich wohnen in der Zeit vor Ort? Will ich eine Wohnung für die gesamte Dauer, mich wirklich fühlen, als wenn ich dazugehören und in London leben würde? Oder doch lieber mehrere Locations ausprobieren? Die Entscheidung ist schnell getroffen, da es preislich kaum einen Unterschied macht. London ist ein teures Pflaster und ich möchte kein einfaches Doppelzimmer, sondern kleine Appartments mit Küche und Platz für Yoga und zum Texten. Denn eigentlich ist die Idee, dass in der Zeit vor Ort große Teile des Reiseführers entstehen, damit der ENDLICH mal Fortschritte macht. Ich weiß schon genau, wo ich das Buch hauptsächlich schreiben möchte.

Beim Open House 2020 habe ich zusammen mit meiner guten Freundin Sandra von A Decent Cup of Tea eine Tour in Level 39 in Canary Wharf gemacht. Ein ganz wunderbarer Coworking Space mit unglaublichen Ausblicken auf die Themse. Ich glaube, als ich hier saß, kam erstmalig der Gedanke auf, dass ein Sabbatical in London doch eine gute Idee ist. Ich sah mich hier ganz genau sitzen, mega kreativ am werkeln.

Ich schreibe Level 39 an, ob ich mir auch monatlich einen Platz mieten kann. Normalerweise vermieten sie nur längerfristig, aber ggf. machen sie eine Ausnahme für mich.

Mai 2022

Die Idee mit Level 39 ist doch vom Tisch. Ehrlicherweise werde ich kaum 4 Wochen lang brav am Tisch sitzen und tolle Texte schreiben, wenn ich in London bin. Dafür gibt es immer noch zu viel zu entdecken. Also Planänderung – die Zeit vor Ort wird zum Abarbeiten der größten London Träume genutzt, geschrieben wird dann, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin. Fühlt sich richtig an, es so zu machen.

Die Planungen schreiten immer weiter voran. Mittlerweile habe ich ein Ticket für Robbie Williams, Gary Barlow und Celeste Barber. Ich freu mich sehr, gerade über Celeste, wo ich quasi das letzte Ticket bekommen habe.

Auch die Unterkünfte stehen. Die grobe Überlegung je eine Woche in einer der Himmelsrichtungen Londons zu verbringen, war irgendwie schnell vom Tisch. Es war und ist und bleibt vermutlich für immer der Osten, der mich reizt. Hier fühle ich mich ohnehin Zuhause. Vermutlich, weil ich 2000 zur Zeit meines Studium hier auch gewohnt und gearbeitet habe. Es werden drei unterschiedliche Orte, für die finale Woche ist es noch offen.

Juni 2022

Ich muss strategischer vorgehen. Listen erstellen mit Museen, die noch fehlen. Orten, wo ich essen will. Schaffe ich ggf. jeden Abend ein Musical oder Theaterstück? Hmmm, will ich wirklich alles vorplanen? Klar, einige Events muss man schnell zusagen, weil sie sonst ausverkauft sind. Aber ich werde versuchen, mich auch mehr im “Treiben Lassen” zu üben. Dann mache ich meistens die besten Entdeckungen.

Juli 2022

Chaos an nahezu allen Flughäfen und British Airways kündigt an, Kurzstreckenflüge zu annulieren. Dieses Risiko kann ich nicht eingehen. Ich MUSS Anfang September nach London, denn bereits am ersten Abend habe ich ein Event gebucht. Ich buche also parallel ein Zugticket und freunde mich mit der Idee an, ganz gediegen endlich mal mit dem Eurostar nach St. Pancras einzufahren. Eigentlich ist es schon lange ein Traum, dann auch im St. Pancras Renaissance Hotel abzusteigen, dann aber natürlich in dem Zimmer, wo einen der Page am Bahnsteig abholt und Champager zur Begrüßung reicht. Dekadent, ich weiß, aber irgendwie auch geil. Aber das Hotel ist teuer.. Muss ich noch überlegen…

Mitte Juli überwiegt der “man lebt nur ein Mal” Gedanke und zur Abreise werde ich mir ein Zimmer im Wunschhotel gönnen. Hört sich nach einem stilvollen Ende meines Sabbaticals an. Ich glaube ich investiere auch in eine Spa Behandlung, je nachdem wie anstrengend die Wochen in London waren…

Ende Juli wird London außerplanmäßig mein Kraftort. Der Tod von einem der Hunde und der von meinem Opa haben mich sehr traurig gemacht. Ich brauche Abstand, um Kräft zu sammeln. Das geht nirgends besser als in London. Bei bestem Sommerwetter hake ich schon einige Dinge ab, die für die Sabbaticalzeit auf der Wunschliste standen: Das Summer Opening im Buckingham Palace, die Jubilee Ausstellung im Kensington Palace, ein Open Air Musical im Regent’s Park und saugute Pizza in The Jam. Der Plan geht auf. Erholt, entspannt und gestärkt komme ich aus London zurück, um die letzten Arbeitswochen zu bestreiten.

Ich merke, dass die Vorfreude auf die Auszeit auch dazu führt, dass ich mich nicht mehr über alles aufrege, was beruflich passiert. Lohnt sich wirklich jeder Kampf zu kämpfen? Eher nicht.

August 2022

Wie aufgeregt kann man bitte sein? Es sind noch über 5 Wochen und ich würde am liebsten sofort los. Ich fang schon mal an, die Tickets auszudrucken und die Infos aus dem Mural Board in ein Worddokument zu überführen, damit ich es ebenfalls ausdrucken und mitnehmen kann. Dieses Dokument wird mein Heiligtum und ich wette, ganz viele kriegen schon die Krise, wenn sie nur einen Blick auf die Liste werden… Aber bei mir dürfen es gerne mehrere Punkte pro Tag sein, viel Kultur, viel Input, viel Neues, ich liebe das. So lade ich meine Akkus auf und werde kreativ.

Immer mehr Events für die Zeit ab September werden veröffentlicht. An den ersten Tagen entsteht die Qual der Wahl. Was will ich wirklich machen? Was kann ich gut kombinieren und was wandert auf die Bucket List für die Zeit nach dem Sabbatical?

Ich möchte auch einige Tage außerhalb Londons verbringen:

  • Brighton habe ich ewig nicht besucht und hier muss ich mir die Street Art Szene mal genauer betrachten. Auch den Royal Pavillion will ich endlich von der Liste streichen. Die Fotos sind umwerfend und ich kann kaum erwarten, ihn live zu sehen. Auch eine Yogastunde im British Airways i360 möchte ich gerne besuchen. Hier warte ich auf die Rückmeldung der Yogalehrerin, wann die September Session stattfinden wird.
  • In Bath möchte ich das House of Frankenstein besuchen. Wenn ich schon mal da bin, werde ich auch die Roman Bath noch mal besichtigen, beim letzten Besuch war nur ein kurzer Aufenthalt drin, weil ich auf einer Kombitour mit Stonehenge war.
  • Whithby steht schon ewig auf der Wunschliste, ist aber leider auch weit weg von London. Ggf. plane ich einen Zwischenstop in York oder Nottingham ein. Aber als großer Dracula Fan habe ich großes Verlangen diesen Ort zu besuchen. Mal sehen, ob es klappt.

Ich melde mich für ein Abseil Event Mitte September als Charity Fundraising an. Fühlt sich gut an, dass ich was Cooles tue – mich vom Dach des St. Thomas’ Hospital abzuseilen – und dabei Gelder für das Krankenhaus sammeln kann. Wenn du das hier liest und diese Aktion unterstützen möchtest, freue ich mich sehr. Hier geht es zum Link der Spendenseite.

Immer mehr Treffen mit netten Menschen aus meiner Facebook Gruppe werden geplant. Ich liebe die Gemeinschaft dort, jede/r versteht einfach immer sofort, warum ich London so toll finde und wir feiern die Stadt konstant gemeinsam ab.

September 2022

Der gelobte Monat ist endlich da. Sobald ich nur an das Wort London denke, bekomme ich Herzklopfen. Ich hatte vergessen, wie es sich anfühlt, wenn man so total aufgeregt ist. Die letzten Arbeitstage laufen und sind ruhig. Alle Übergaben sind gut vorbereitet. Die Unterkünfte sind bezahlt, die ersten Stapel an Klamotten und anderen Dingen liegen herum und eine to-do Liste gibt es auch. An so viele Dinge will ich denken. Gummistiefel fürs Mudlarking – ich hoffe so sehr endlich mal eine alte Pfeiffe zu finden. Schlafsack für die Nacht im Museum….

Die Reiseplanung ist so gut wie abgeschlossen und die Tage teilweise sehr voll gepackt. Vermutlich werde ich Whitby gar nicht mehr unterkriegen, ich brauche die Zeit einfach vor Ort. Ich bin gespannt, wie gut der Plan funktionieren wird.

05. September

Der erste Tag des Sabbaticals! Endlich ist die Zeit gekommen. Als die Planungen im Januar gestartet sind, kam es mir noch so unfassbar lange vor. Dann kamen einige krasse Monate und jetzt darf es endlich losgehen. Heute Nacht habe ich schlecht geschlafen, weil ich geträumt habe, dass die Bahn mal wieder alles gibt und ich schon den ersten Anschlusszug nach Brüssel verpasse. Bin kurz versucht, schon eine Nacht früher nach Frankfurt zu fahren, um das Risiko zu minimieren. Aber ich will nicht Geld für Hotel und ein neues Zugticket ausgeben, nur weil man den Zügen nicht mehr vertraut. Außerdem denke ich, dass ich nicht die erste Person sein bin, die ggf. einen Eurostar verpasst. Es werden noch mehrere Züge fahren, da sollte ein Umbuchen klappen. Wäre zwar uncool, weil natürlich am ersten Tag schon Events geplant sind, aber es wird schon alles gutgehen.

08. September 2022

Jetzt ist alles gepackt und ich bin so bereit und dann kommt die traurige Nachricht, dass Queen Elizabeth II gestorben ist. Natürlich ist das im Alter von über 90 keine große Überraschung, aber dennoch bin ich sehr traurig. Sie war wie eine Oma, ein Grund, warum ich lange Zeit gerne Britin gewesen wäre. Ich habe sie sehr bewundert und bin jetzt zwiegespalten. Ich habe oft gehofft, dass ich zu dieser besonderen und traurigen Zeit auch vor Ort sein kann. Das ist jetzt der Fall. Vermutlich werde ich mich morgen schon zum Buckingham Palace begeben und Blumen niederlegen. Ggf. kann ich meine letzte Ehre erweisen und an ihrem Sarg vorbeigehen.

Aber – Großbritannien geht in Trauerphase und das kann meine Pläne ganz schön durcheinander wirbeln. In vermutlich 10 Tagen wird die Beerdigung sein. Bis dahin ist es denkbar, dass viele meiner Events abgesagt werden. Mal sehen, was ich erleben kann und werde.

09. September 2022

Ja, die Bahn macht die Anreise nach London mal wieder anstrengend und nervig. Bis Frankfurt läuft noch alles ohne Probleme und ich sitze auch schon im zweiten, gerade angekoppelten, Zugteil nach Brüssel, als die Durchsage kommt, dass der Zug einen Defekt hat und alle wieder aussteigen muss. Bitte was?! Dieser Zugteil ist ja gerade erst eingefahren…Also alle raus und in den hinteren Teil nach Amsterdam. Was das bringen soll und bis wo wir mitfahren, weiß keiner. Das Bahnpersonal auch schon maximal genervt von den vielen Fragen der Fahrgäste… In Köln Ehrenfeld ist erst mal Umsteigen angesagt. Köln selbst kann aufgrund eines massiven Stellwerkschadens gar nicht angefahren werden, aber es sollen Busse nach Brüssel kommen… Die – Überraschung – nicht da sind und wir alle auf den nächsten Zug warten müssen. Der Bahnhof Köln Ehrenfeld ist jetzt leider nicht besonders groß, d.h. sich dort mit Essen und Trinken zu versorgen, ist gering. Am Bahnsteig erkennen zwei Briten zurück in die Heimat meine Jubilee Tasche und sprechen mich an. Sie haben den Eurostar um 16 Uhr und sind noch einigermaßen entspannt. Wenn die wüssten…Denn auch der neue Zug hat massive Verspätungen und wir sind erst gegen 15 Uhr in Brüssel. Beim Eurostar geht dann alles vorbildlich tadellos. Ohne Probleme werde ich mit “yet another one from Germany” auf den 16 Uhr Zug umgebucht und kann sofort einchecken und einsteigen.

In London angekommen, war die Idealvorstellung meiner Einreise zwar eine andere, aber auch hier wirft der Tod von Queen Elizabeth II die Schatten voraus. Anstatt gediegen einen Champagner in der Bar zu trinken, mache ich mich direkt auf den Weg zum Hotel. Das für heute geplante Theaterstück fällt aufgrund meiner Verspätung leider aus 🙁

Dafür ist aber das Kingsland Locke eine positive Überraschung. Zwar nervt der intensive Vanillegeschmack im Eingangsbereich wieder ein wenig, aber sie bieten 2x die Woche kostenlos Yoga auf der Dachterasse an, haben eine Bar und Restaurant und die Lage ist ganz wunderbar. Ich kenne Dalston nur wenig, daher freue ich mich besonders, diese Gegend mehr zu erkunden.

Aber erst mal Abendessen. Bei “Mildred’s” gibt es ein leckeres vegetarisches Essen. Dann entdecke ich die erste Street Art, freue mich darüber, dass es bei Marks&Spencer den leckeren Pornstar Martinin auch endlich in Flaschen gibt und sehe die ersten Reportagen über die Queen. Ein Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Tage noch kommen wird…

Fortsetzung folgt