Last Updated on 11. September 2024
Entdecke London von einer anderen Seite! Abseits der typischen Touristenpfade führt dich dieser Tagesausflug entlang des Themse-Ufers durch die Stadtteile Richmond und Twickenham. Von historischen Herrenhäusern und versteckten Museen bis hin zu einer Fährüberfahrt und einem Pub, das bei Flut überflutet wird – dieser Ausflug bietet die perfekte Mischung aus Geschichte, Kultur und einzigartigen Erlebnissen. Und genau so habe ich einen Tag als Teil meines Sabbaticals in 2022 verbracht.
Frühstück im verwunschenen Café
Wir starten unseren Tagesausflug mit einem guten Frühstück, damit wir gestärkt sind, denn wir werden einiges laufen. Der perfekte Ort dafür ist das vegetarische Hollyhock Café. Das liegt in den Terrace Gardens, erhöht über dem restlichen Garten und fühlt sich tatsächlich nach einem verwunschenen Märchenort an. Stabile, aber krumme Baumstämme entlang der überdachten Terrasse, vegetarisches Essen und jede Menge Locals, die auf ein Kaffeedate zusammenkommen oder mit ihrem Hund Pause machen. Hier kannst du ganz wunderbar ankommen und die Seele für ein paar Minuten baumeln lassen, bevor das Programm von heute startet.
- Uriges, verwunschenes Café in Richmond – das Hollyhock
An der Themse entlang zum Ham House
Laufe den Berg der Terrace Gardens wieder nach unten und halte dich am Ufer der Themse nach links. Für ca. 20 Minuten folgst du dem Flusslauf und gelangst dann zum Ham House, einem beeindruckenden Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert.
- Die Rückseite vom Ham House vom Garten aus
Es gilt als eines der am besten erhaltenen Häuser aus der Stuart Zeit in England und wurde 1610 erbaut. Das gesamte Anwesen hat mich sehr beeindruckt. Da ich vor der offiziellen Öffnungszeit um 10 Uhr da war, konnte ich die Gärten entdecken, bevor zu viele Touristen da waren. Hinter großen Backsteinmauern gibt es verschiedene kleinere Themengärten, einen verwilderten Bereich und kleine Hütten.
- Ham House Gardens bietet kleine Hütten als Rückzugsorte
Innen befinden sich aufwändig dekorierte Räume und eine dunkle und schwere Holztreppe. Die führt dich in den ersten Stock, wo du über einen Balkon (die Round Gallery) auf die unten liegende Great Hall blicken kannst. Hier hat mir das schwarz-weiße Muster am Fußboden besonders gut gefallen.
- Schachbrettboden im Ham House
Die übrigen Räume sind opulent ausgestattet, viel Gold, farbige Wandbehänge, viele Bilder in unterschiedlichen Größen, Marmorstatuen und große Kamine. Du kannst die ehemaligen Wohnräume von William Murray und seiner Frau und später der Familie Lauderdale besichtigen. Aber auch die Diensträume inkl. Küche und Weinkeller bekommst du zu sehen.
Heute ist Ham House ein denkmalgeschütztes Gebäude und gehört zum National Trust.
Mit der Hammertons Ferry über die Themse
Mit der kleinen Fähre geht es hinüber ans andere Ufer. Die Hammertons Ferry ist ein Familienbetrieb, der schon seit 1908 im Geschäft ist. Sie bringen dich zwischen März und Oktober täglich zwischen 10 und 18 Uhr – ohne Mittagspause (das war früher mal anders, jetzt aber deutlich weniger Zeitdruck) – über den Fluss.
Sie verkehren zwischen Ham Park und Marble Hill Park. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten und kostet derzeit (Stand September 2024) zwei GBP für einen Erwachsenen. Mehr Details findest du auf der Webseite von Hammertons Ferry.
Marble Hill House
Auf der anderen Seite der Themse angekommen, ist unser nächster Stopp das Marble Hill House. Dieses wird vom English Heritage betreut und hat derzeit (Stand September 2024) nur zwischen Mittwoch und Sonntag geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.
Marble Hill House ist das letzte Zeugnis davon, wie das Themseufer im 18. Jahrhundert mit schönen Villen und großen Gärten zwischen Richmond und Hampton Court gesäumt war. Das Haus wurde von Henrietta Howard (1689-1767) bewohnt, die hierher ihre Freunde und Gäste einlud und sie unterhielt.
Sehenswert sind die Grotte im Garten (die wurde bei meinem Besuch 2022 noch restauriert) und die Innenräume mit Möbel und Geschirr sowie viel Marmor und Gemälden.
Falls dir nach einer Stärkung ist, im Garten gibt es ein Café.
- Das Marble Hill House in Richmond
Musikgeschichte im Eel Pie Island Museum
Das Eel Pie Island Museum in Twickenham bietet Einblicke in die faszinierende Geschichte der kleinen Insel Eel Pie Island auf der Themse. Ich hatte vor meinem Besuch weder von der Insel noch von den musikalischen Highlights gehört, die sich in den 1960ern hier abspielten. Was vermutlich daran liegt, dass weder The Rolling Stones noch The Who oder Rod Stewart zu meinen Favoriten gehören.
In den 1960er Jahren war die Insel ein Hotspot für Jazz und Rockmusik. Im legendären Eel Pie Island Hotel fanden Konzerte der genannten Künstler und wilde Partys statt.
Das kleine Museum erzählt die Geschichte dieser musikalischen Ära und der alternativen Kultur, die Eel Pie Island so einzigartig gemacht hat. Es zeigt seltene Fotos, Poster, Musikinstrumente und andere Erinnerungsstücke aus der Zeit. Wenn du auf die Musik der 60er stehst, dann ist das Museum vermutlich ein Must-See für dich. Aber selbst ohne diese Verbindung kann ich den Besuch empfehlen, weil eben auch die Geschichte der Gegend thematisiert wird. Und einen eigenen Eel Pie Island Pass bekommst du auch noch.
- 60er Jahre Musikfans kommen im Eel Pie Island Museum auf ihre Kosten
- Nach dem Besuch im Eel Pie Museum bekommt man einen Pass
York House Gardens und The Oceanides
Wenn du schon in der Gegend bist, dann verpasse nicht die acht überlebensgroßen Statuen „The Oceanides“ in York House Gardens. Die Seenymphen der griechischen Mythologie stehen bereits seit 1909 im Garten, wurden zwischenzeitlich aber stark vernachlässigt. Sie wuchsen zu, der Brunnen funktionierte nicht mehr. Erst in 2020-2021 wurden sie aufwändig restauriert und erstrahlen jetzt im neuen Glanz. Ich finde sie wunderschön und kann mir ein Open Air Theater vor ihnen gut vorstellen (was wohl immer mal wieder angeboten wird).
- Die Nymphen im York House Gardens
Orleans House – Octagon Room
Letzter kultureller Punkt für heute ist das Orleans House und hier ein besonderer Raum – der Octagon Room. Erschaffen für den Hauseigentümer James Johnston und in 1720 fertiggestellt, wurde hier opulent gefeiert. Der Raum wurde mit eigener Küche und Weinkeller, zunächst freistehend vom restlichen Haus, gebaut. Heute kann der Raum für Feiern gemietet werden.
- Orleans House, wo sich der Octagon Room befindet
- Im Inneren des Octagon Room
Abendessen im Pub, das geflutet wird
Nach so vielen Eindrücken und Kultur, fühlt sich ein Abschluss im Pub mit Essen und einem Pint gut an, oder? Ich möchte dir einen Pub empfehlen, der so nahe am Ufer der Themse steht, dass er bei Flut regelmäßig geflutet wird. Dann kannst du bestimmte Bereiche nur noch mit Gummistiefeln erreichen. Bei meinem Besuch kamen Gäste sogar im Kanu an. The White Swan hat täglich zwischen 11 und 22 Uhr geöffnet. Und serviert wird hier natürlich auch bei Flut.
Eine Rückreise ins zentrale London ist ab der Zugstation Twickenham möglich, oder auch ab Richmond auf der District Line.
Wie hört sich der Tag in Richmond bzw. Twickenham an? Kennst du vielleicht sogar schon Teil des Programms?










Hallo Simone,
ich bin großer England-Fan, aber die Umgebung von London kam bisher zu kurz. Vielen Dank für die tollen Anregungen!
Liebe Grüße
Elke
Liebe Elke, England ist ja auch wirklich überall schön, aber dann sollte London auf der Bucket List weiter nach oben rutschen, denn hier ist es auch so toll! VG Simone