London ist voll mit stilvollen, schicken und verrückten Orten für einen Afternoon Tea. Doch so groß wie die Auswahl vor Ort, so groß ist manchmal auch die Verwirrung. Wo genau ist der Unterschied zwischen einem Afternoon Tea und einem High Tea? Und dann gibt es auch noch Cream Tea? Zeit sich mal die Unterschiede genauer anzusehen. Und dafür habe ich mir Unterstützung geholt von Sandra Wickert, die mit ihrem Blog „A decent cup of tea“ eine Expertin auf diesem Gebiet ist. Sandra erklärt dir im Interview alles, was du wissen musst.

Die Unterschiede beim Afternoon Tea

Liebe Sandra, schön, dass du Zeit für uns hast. Bitte erkläre uns doch mal wo genau der Unterschied zwischen Afternoon, High und Cream Tea liegt.

Der Cream Tea

Fangen wir mit dem einfachsten an, dem Cream Tea. Das ist eine tolle Tradition, die du fast überall in Großbritannien anfindest, sowohl in Tea Rooms als auch bei den Briten zuhause. Ein Cream Tea besteht aus einem oder zwei Scones, dazu gibt es Clotted Cream und Erdbeermarmelade sowie eine kleine Tasse (bzw. einen „pot“) Tee. Sozusagen das Äquivalent zu unserem deutschen Kaffeeklatsch.

Der Afternoon Tea

Afternoon Tea hingegen ist fast schon ein Event, das richtiggehend zelebriert wird. Ein Afternoon Tea ist nichts für jeden Tag, man gönnt sich das für besondere Momente. In Großbritannien bekommst du Afternoon Tea in einer luxuriösen oder eher bodenständigen Variante, doch der grundsätzliche Aufbau ist immer der gleiche: zum Afternoon Tea gibt es eine Etagere, klassischerweise mit drei Stockwerken, auf denen unterschiedliche Köstlichkeiten der britischen Küche und (üblicherweise auch französischen) Patisserie angerichtet werden. Auf dem untersten Teller befinden sich traditionell die „Finger Sandwiches“, belegt mit Gurke, Lachs, Chicken Salad, Käse oder Roast Beef. Eine Etage darüber befinden sich die Scones mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade.

Gekrönt wird das Ganze von der obersten Etage, auf der sich süßes Gebäck und Pralinen oder Dessertcrèmes wie z.B. Trifle oder Macaroons befinden. Dazu gibt es reichlich Tee. Traditionell war der Afternoon Tea schon immer ein gesellschaftliches Event, das eher von Frauen als von Männern wahrgenommen wurde, und wenn man sich heute in den Tea Rooms so umschaut, hat sich das zum größten Teil so gehalten.

Der High Tea

High Tea war ursprünglich eine deftigere Angelegenheit und war das Abendessen der Dienstboten, nachdem ihre Herrschaften zuvor den Afternoon Tea genossen hatten. Er wurde ganz normal am  Tisch serviert und enthielt viel Fleisch, Brot und ein großer, einfacher Kuchen. Wenn du heute einen High Tea buchst, sieht das meist anders aus: er besteht aus einem klassischen Afternoon Tea und zusätzlichen, pikanten Snacks wie zum Beispiel kleinen Quiches oder Pies.

Welche Teesorten zum Cream, Afternoon oder High Tea?

Wenn man es richtig macht, gibt es zu jedem „Gang“, d.h. zu jeder Etage eine andere Sorte Tee. Traditionell ist natürlich der Schwarztee in allen Varianten, klassischerweise Assam oder Earl Grey, doch es gibt immer auch eine Auswahl an grünen und Früchtetees. Wenn du in einem Luxushotel einen Afternoon Tea einnimmst, hast du oft die Möglichkeit, aus sehr seltenen, exquisiten  Teesorten zu wählen.

Wie bereitet man Tee am stilvollsten zu?

Auch da gibt es nicht eine ganz eindeutige Meinung, aber doch einige wichtige Personen, die den Ton angeben. Grundsätzlich lässt sich sagen: immer losen Tee benutzen, keine Beutel! Pro Person einen Löffel Tee und einen zusätzlichen Löffel für die Kanne. Die Kanne zunächst mit heißem Wasser ausschwenken, bevor der Tee über das Sieb in die Kanne aufgegossen wird.

Tee mit Milch oder ohne?

Tatsächlich kommt es auch hier auf die Sorte an und ich gestehe, dass ich manchmal schief angeschaut werde, wenn ich zu meinem Earl Grey Milch dazu bestelle. Zum  klassischen Breakfast Tea ist etwas Milch aber durchaus gängig, sogar die Queen mag das sehr gerne. Übrigens kommt laut Etikette immer zuerst der Tee in die Kanne und dann erst die Milch: „Tea in first“ heißt die Devise.

Rezepte für den Afternoon Tea zuhause

Auf “A decent cup of tea” bekommst du ein einfaches und dennoch sehr leckeres Rezept für klassische englische Scones. In meinem Scones Guide erfährst du zudem viel Spannendes rund um das Kultgebäck aus Großbritannien.

Scones im Devon oder Cornwall Style?

Bei den Scones sind die Geschmäcker unterschiedlich. Kommt zuerst die Marmelade oder erst die Clotted Cream drauf? Es gibt die beiden Lager: Devon und Cornwall. Ich persönlich halte es wie die Queen und bin absolut für „Jam first“ – also erst die Erdbeermarmelade und dann einen ordentlichen Klecks Cream. Sorry, Devon, aber so passt einfach mehr von der leckeren Sahne auf den Scone.

Wohin zum Tee kaufen in London?

In London gibt es viele tolle Tea Shops. Ich gehe besonders gerne bei T2 in Chelsea shoppen (modern und hip) oder klassisch bei Fortnum & Mason am Piccadilly Circus. Ganz toll ist auch der Flagship Store von Twinings, übrigens der älteste Teeladen in London. Daneben gehe ich noch gerne über Londons Märkte und kaufe bei kleinen Indie-Teehändlern.

Liebe Sandra, danke für deine Antworten! Ich mache mir jetzt erst mal einen Tee und dazu einen Scone – eine Hälfte im Devon, die andere im Cornwall Style.