Last Updated on 25. Oktober 2026

Zwischen Monument und Tower Hill, ein paar Schritte unterhalb von Eastcheap, steht eine Kirche ohne Dach. Efeu klettert durch leere Fenster, Farne wurzeln in den Fugen, und wo früher die Gemeinde kniete, wächst Rasen. St Dunstan-in-the-East hat das Große Feuer überlebt, einen Mord vor dem Altar, einen Abriss auf Raten und die Bomben des Blitz. Geblieben sind zwei Mauern, ein Turm und ein Garten, der seine Wunden offen zeigt.

Ein Heiliger, der den Teufel an der Nase packte

Die Kirche trägt den Namen von Dunstan, im 10. Jahrhundert Mönch, Goldschmied und später Erzbischof von Canterbury. Die Legende erzählt, wie ihn der Teufel in seiner Werkstatt heimsuchte. Dunstan griff zur glühenden Zange und packte ihn an der Nase. Ein andermal schlug er ihm ein Hufeisen an den Huf und löste es erst, als der Teufel schwor, kein Haus mit einem Hufeisen über der Tür mehr zu betreten. Den Zusatz „in the East“ bekam die Kirche, um sie von St Dunstan-in-the-West an der Fleet Street zu unterscheiden.

Mord zur Ostervesper

Um 1100 entstand hier die erste Kirche, auf halbem Weg zwischen London Bridge und Tower. Ein großer Kirchhof umgab sie. Im Spätmittelalter hieß ein Teil davon „Pardon Churchyard“, über dem Beinhaus stand eine eigene Kapelle. Generationen von Kaufleuten, Fischhändlern und Zollbeamten fanden hier ihr Grab, der mittelalterliche Kirchhof liegt heute unter dem Garten.

Am Ostersonntag 1417 floss Blut im Chor. Während der Vesper gerieten die Ehefrauen von Lord Strange und Sir John Trussell aneinander, ihre Männer und deren Gefolge zogen die Waffen. Thomas Petwardyn, Aufseher eines Themse-Kais, starb im Hochchor, Trussell und sein Sohn trugen schwere Wunden davon. Lord Strange landete im Gefängnis. Am folgenden Sonntag sprachen alle Kirchen Londons zur selben Stunde den Bann über ihn aus, mit Glocke, Buch und Kerze.

Feuer, Sturm und schiefe Wände

Im September 1666 erreichte das Große Feuer St Dunstan. Die Flammen fraßen Dach und Ausstattung, die Außenmauern hielten stand. Statt neu zu bauen, flickte die Gemeinde ihre Kirche zwischen 1668 und 1671. Zwischen 1695 und 1701 setzte Christopher Wren ihr einen neuen Turm auf, gotisch statt barock, mit einer schlanken Spitze auf vier offenen Strebebögen.

Wie sehr Wren dieser Konstruktion traute, zeigt eine Anekdote aus dem Jahr 1703. Nach dem Großen Sturm im November, der quer durch England Dächer abdeckte und Bäume entwurzelte, meldete man ihm Schäden an Londoner Kirchtürmen. Wren soll nur geantwortet haben: an St Dunstan nicht, da sei er sicher.

Dem Rest der Kirche ging es schlechter. 1817 stellten Gutachter fest, dass das schwere Dach die Seitenwände um gut 17 Zentimeter nach außen gedrückt hatte. Man trug die Kirche bis auf Wrens Turm ab, David Laing baute sie bis 1821 im Perpendicular-Stil neu auf.

Der Blitz und das Ende als Kirche

1941 trafen deutsche Bomben St Dunstan. Das Feuer brannte die Kirche aus, das Dach stürzte ein. Stehen blieben die Nord- und die Südwand und Wrens Turm, der seinem Architekten damit ein zweites Mal recht gab. Nach dem Krieg lebten kaum noch Menschen in der City, es gab mehr Kirchen als Gemeinden. Die Church of England verzichtete auf den Wiederaufbau, gut 25 Jahre lang blieb die Ruine sich selbst überlassen. 1967 übernahm die City of London Corporation das Gelände, im Juni 1971 eröffnete der Lord Mayor den Garten.

Morbider Charme zwischen Glas und Stahl

Heute holt sich die Natur die Ruine Stück für Stück zurück. Wilder Wein und Efeu ziehen sich über das Maßwerk, Kletterpflanzen füllen die Fensterbögen, in denen früher Glas saß. In der Mitte des einstigen Kirchenschiffs liegt ein flacher Brunnen, Bänke lehnen an den Mauern, die der Blitz übrig ließ. Im unteren Gartenteil wächst ein Winterrindenbaum, ein ungewöhnlicher Gast in Londoner Gärten. Durch die leeren Fenster blickst du auf die Glasfassaden der City, im Süden ragt The Shard auf.

Der Garten poliert nichts auf. Er lässt die Brandspuren stehen, die Lücken im Mauerwerk, den Turm ohne Kirche. Wer hier sitzt, sitzt auf altem Kirchhof, umstellt von Bürotürmen.

Gut zu wissen

  • Adresse: St Dunstan’s Hill, London EC3R 5DD, zweiter Eingang über Idol Lane
  • Anreise: Tube bis Monument oder Tower Hill (Circle und District Line), von beiden Stationen etwa fünf Minuten zu Fuß
  • Öffnungszeiten: täglich ab 8 Uhr bis 19 Uhr oder bis zur Dämmerung, je nachdem, was früher eintritt
  • Eintritt: frei
  • Fotografieren: für private Zwecke erlaubt. Für Hochzeitsfotos und kommerzielle Shootings brauchst du eine kostenpflichtige Genehmigung der City of London.
  • Aktuelle Infos findest du auf der Website der City of London

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