Du sitzt im Rollstuhl und fragst dich, ob London eine geeignete Stadt für einen Besuch ist? Meine Leserin Sandra Gerhards hat für dich die besten und nützlichsten Tipps zusammengefasst, damit du deinen barrierefreien Urlaub vor Ort genießen kannst.

London barrierefrei – die besten Tipps für Menschen mit Handicap

London ist nach wie vor einer der beliebtesten Städte weltweit, leider trauen sich viele Personen mit Behinderung nicht diese tolle Stadt zu erkunden. Das möchte ich (Sandra Gerhards) ändern. Ich selbst sitze seit zwei Jahren im Rollstuhl und hab mich daher sehr mit der Materie auseinandergesetzt. In London gibt es sehr viele Behinderten gerechte Toiletten. Leider erkennt man sie nicht immer sofort und benötigt einen extra Schlüssel dafür, aber in den meisten Fällen lassen die Leute einen darauf. Nicht scheu sein und einfach danach fragen.

Ganz wichtig, der deutsche Schwerbehindertenausweis wird in Großbritannien nicht anerkannt, es liegt leider an den Mitarbeitern an den Kassen, ob sie Rabatt gewähren. Anspruch darauf hat keiner. Allerdings gilt der blaue Parkausweis, wobei es aber in London schwierig ist Parkplätze zu finden, auch im eingeschränkten Parkverbot und es ist von District zu District unterschiedlich geregelt.

Ratsam ist es sich vorher genau zu überlegen, was möchte ich unternehmen? Wie möchte ich wohnen, was ist mir wichtig etc. Dabei stehe ich gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Fragen an Sandra kannst du gerne in den Kommentaren unter diesem Beitrag stellen oder in der Facebook Gruppe “London Total” posten und Sandra dabei direkt vertaggen. 

Die Anreise nach London mit Handicap

  • Am besten reist man mit dem Flugzeug an, der geeignetste Flughafen ist meiner Meinung nach Heathrow. Dort dann den Heathrow Express nehmen bis Paddington bzw. Victoria. Heathrow ist komplett barrierefrei. Allerdings sollte man darauf achten an der richtigen Stelle in den Zug einzusteigen, am besten da wo der Bahnsteig erhöht ist.
  • Per Zug: von Brüssel und Paris fährt der Eurostar. Das ist eine gute Alternative für alle, die nicht fliegen möchten. Für Rollstuhlfahrer gibt es erhebliche Rabatte beim Eurostar. Von Köln aus fahren direkte Züge nach Brüssel, wo man problemlos umsteigen kann. Der Eurostar hat meist zwei Rollstuhlstellplätze, die man online buchen kann. Die Bahnhöfe sind barrierefrei.
  • Mit dem Auto: Wer als Festlandeuropäer mit dem Auto nach London reist oder vor Ort einen Leihwagen mietet, ist schon ziemlich mutig. Und das nicht nur, weil man auf der Insel auf der falschen Straßenseite fährt und im Straßenverkehr in der Innenstadt grundsätzlich die Hölle los ist. Behindertenparkplätze gibt es zwar, es ist jedoch von Distrikt zu Distrikt unterschiedlich geregelt, wer dort wie lange parken darf und wer nicht. Genaue Informationen gibt es (in Englisch) unter: Bluebadge London.
  • Von den Niederlanden und Frankreich aus kann man mit der Fähre auf die britische Insel gelangen. Gäste mit Behinderungen und Mobilitätseinschränkungen, die im Rollstuhl-Urlaub London nicht auf ihr eigenes Auto verzichten möchten, wählen deshalb gern die Fähre für die Anreise. Welche Fähren Rollstuhlgerecht eingerichtet sind, sollte man schon bei der Reiseplanung erfragen. Bei P&O sind die neueren Fähren barrierefrei und bei DSDF sind alle Fähren geeignet.

Barrierefreies London – Tipps zur Unterkunft

London ist sehr gut ausgestatteten mit behindertengerechten Unterkünften, die für den Rollstuhl-Urlaub in London gebucht werden können. Es gibt z.B. barrierefreie Appartements in der City und behindertengerechte Hotelzimmer mit allem wünschenswerten Komfort. Man kann somit ganz nach dem eigenen Geschmack und den Bedürfnissen wählen. Ein Tipp: Während der Planung nachfragen, welche Konditionen ganz genau vor Ort zu finden sind – so erspart man sich böse Überraschungen. Nicht immer haben alle Menschen vom Begriff der Barrierefreiheit die gleiche Auffassung und so kann es gar nicht erst zu Missverständnissen kommen.

Leider kann ich selbst nur bedingt was zu bestimmten Hotels sagen, da ich vor Ort eine Wohnung habe. Allerdings sind die Ketten wie Ibis, Travelodge, PremierInn sowie HolidayInn etc. alle mit barrierefreien Zimmer ausgestattet mit ebenerdiger Dusche (was in London nicht unbedingt normal ist).

Empfehlen kann ich das Ibis Hotel Earls Court. Bushaltestelle direkt vor der Tür und der Bahnhof West Brompton ist 200 m weit weg.

Fortbewegung in London für Rollstuhlfahrer

Die U-Bahn ist in London leider nur bedingt barrierefrei. Von den knapp 280 Stationen sind nur etwa 25% für Rollstuhlfahrer geeignet. Vor Ort kann man sich das Faltblatt „Step-Free Tube Guide“ besorgen, das einen Überblick über die rollstuhlgerechten Zugänge der einzelnen Stationen vermittelt. Zum Daheim ausdrucken ist hier der Link zum Download des Übersichtsplans.

Am einfachsten ist es, wenn man mit Bussen unterwegs ist, denn die sind immer barrierefrei mit ausfahrbaren Rampen ausgestattet. Und: Rollstuhlfahrer zahlen grundsätzlich nichts. Das gilt nicht für Begleitpersonen!

Man hat auch die Möglichkeit mit dem Taxi zu fahren (was allerdings eine teure Angelegenheit ist), alle Taxen in London sind mit Rampen und großen Türen ausgestattet, manche haben auch Schwenksitze.

Viele Sehenswürdigkeiten liegen beieinander und man benötigt keinen Transport.

Sehenswürdigkeiten/ Museen/ Theater/ Musical

Was die Sehenswürdigkeiten angeht, hat sich in London viel getan, selbst historische Gebäude wurden, wenn möglich, barrierefrei umgebaut – d. h. die meisten Sehenswürdigkeiten in London sind für Rollstuhlfahrer barrierefrei zugänglich.

Auf der englischsprachigen Website Accessable (ehemals Disablego) werden in der Kategorie „places to go“ barrierefreie Orte (u. a. jenseits der Touristenhighlights) beschrieben, die man in Großbritannien und speziell in London gesehen haben sollte.

Die folgenden Museen und Sehenswürdigkeiten sind auf Besucher mit Handicap bestens eingestellt:

  • Britisches Museum
  • London Eye (höchstes Riesenrad Europas)
  • Madam Tussauds
  • National Gallery
  • National History Museum
  • Royal Museums Greenwich
  • Science Museum
  • Tate Modern
  • Tower of London
  • Victoria & Albert Museum

Theater und Konzerthallen in London bemühen sich sehr, Angebote und Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen zu schaffen.  Die Initiative „Access London Theaters“ zeigt auf ihrer Website Details zu Angeboten für Menschen mit Behinderungen.

Was Begleitpersonen und den Eintritt zu Sehenswürdigkeiten, Museen und Theatern angeht, bestehen mancherorts, aber nicht überall, Rabattmöglichkeiten. Im Zweifel lohnt es sich nachzufragen, ob eine Ermäßigung für Begleitpersonen möglich ist.

Empfehlen möchte ich noch die Seite „London Barrierefrei“, hier bekommt ihr mehr Infos, damit arbeite ich sehr gerne.

Shoppen und Märkte – mit dem Rollstuhl

  • Mein allerliebster Markt in London ist der Camden Market. Hier findet ihr verrückte Second-Hand-Klamotten genauso wie Street Food. Während Camden Locks barrierefrei ist, gibt es beim Stables Market allerdings Kopfsteinpflaster und Stufen.
  • Rund um die Oxford Street/ Regents Street/ Piccadilly Circus findet man viele verschiedene Geschäfte und der Großteil davon ist barrierefrei
  • Auf dem Borough Market werden frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Käse, sämtliche Fleischsorten sowie Gewürze, Backwaren und köstliche Gerichte von Straßenverkäufern angeboten. Ideal für ein Häppchen zur Mittagszeit. Dieser Markt ist generell barrierefrei, allerdings würde ich ihn in den Mittagzeiten meiden (da sehr voll).
  • Covent Garden ist mit seinen Markthallen und umliegenden Plätzen ein Meisterwerk der Architektur. Neben den Fachgeschäften, Restaurants und Cafés findest du hier den Apple Craft Market, auf dem Antiquitäten, Schmuck und Kunsthandwerk angeboten werden.
  • Auch die folgenden Shops sind barrierefrei gestaltet und die Mitarbeiter sind in der Regel sehr hilfsbereit.
    • Fortnum & Mason
    • Harrods
    • Liberty
    • Marks &Spencer
    • Die Westfield Shopping Center (Stratford oder White City)

Vielen Dank, liebe Sandra, dass du uns diese ganzen Tipps zusammengestellt hast. Falls ihr noch Fragen habt, stellt sie gerne als Kommentar unter diesem Post und ich leite an Sandra weiter.

Für weitere Tipps zum Thema Reisen im Rollstuhl, schau mal bei Wheeliewanderlust vorbei. Kim reist für ihr Leben gern und über ihren Trip nach London hat sie im Post “London Calling” geschrieben.

Falls du Ergänzungen hast, freue ich mich ebenfalls, wenn du einen Kommentar da lässt.