Last Updated on 29. Oktober 2025
The Old Operating Theatre
Der Operationssaal stammt aus dem Jahr 1822 und gilt als ältester noch erhaltener seiner Art in Europa – und als einziger überlebender OP-Saal aus dem 19. Jahrhundert im Vereinigten Königreich. Ursprünglich war er Teil des alten St. Thomas’ Hospital und befindet sich im sogenannten Herb Garret, dem ehemaligen Kräuter-Dachboden der St. Thomas’ Church. Das klingt zunächst kurios, war aber ganz logisch: Der Südflügel des Krankenhauses wurde damals rund um die Kirche herum gebaut.
Hier wurden hauptsächlich Frauen operiert, denn die Frauenstation lag direkt nebenan. Wohlhabende Patientinnen bekamen ihre Behandlung zuhause – im Old Operating Theatre kamen die weniger Betuchten unters Messer. Während der Operationen standen Medizinstudenten auf engen Holzrängen, um zuzusehen und zu lernen – live und in Farbe, mitten im Geschehen.
- Der einst verschollene OP Saal
Bis 1846 war von Narkose keine Rede: Erst dann kamen Ether und Chloroform zum Einsatz. Sterile Chirurgie existierte noch nicht, daher waren Amputationen die häufigsten Eingriffe. Innere Operationen galten als zu gefährlich. Kein Wunder also, dass die Ärzte damals dunkle oder lilafarbene Kittel trugen – Blutflecken gehörten schlicht zum Alltag und die fielen auf diesen Farben weniger auf.
- Früher waren die Arztkittel dunkelfarbig oder lila
Vom vergessenen Dachboden zum Museum
Als das St. Thomas’ Hospital 1862 nach Lambeth umzog, wurde der Operationssaal aufgegeben und schließlich vergessen. Der Zugang auf den Dachboden wurde verschlossen, und über die Jahre geriet der Raum fast vollständig in Vergessenheit.
Bis Raymond Russell 1956 Nachforschungen anstellte und die Tür zum alten Dachboden wieder öffnete.
Was er fand, war ein dunkler, verstaubter Raum, dessen Oberlicht kaum noch Licht durchließ. Doch die Entdeckung war dennoch eine Sensation. Zwischen 1957 und 1962 wurde der Saal sorgfältig restauriert – unter anderem konnte man anhand von Farbspuren am Boden rekonstruieren, wo einst die Studenten standen. Am 27. Oktober 1962 öffnete das „Operating Theatre of Old St. Thomas’ Hospital“ als Museum seine Türen – und wurde damit zu einem der bedeutendsten Orte der medizinischen Geschichte Londons.
Der Dachboden selbst diente vermutlich einst als Lagerraum für Heilkräuter und Arzneien der Krankenhausapotheke – daher der Name „Herb Garret“. Hier oben war es trocken und weitgehend rattenfrei, ideal zur Aufbewahrung empfindlicher Zutaten. Während der Restaurierung fand man allerdings nur vier Mohnblumen – vielleicht ein Hinweis auf die Herstellung von Opium, vielleicht auch Zufall. Was hier wirklich lagerte, bleibt bis heute ein kleines Geheimnis.
- Gewürze und Obst für Hausmittel
- Medizinische Kräuter
Was es zu sehen gibt
Heute zeigt das Museum eine faszinierende Mischung aus Medizingeschichte, Kräuterkunde und viktorianischer Alltagskultur – perfekt für alle, die auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Museum in London sind:
- den originalen Operationssaal mit hölzernen Stehplätzen für Studenten,
- alte Medizininstrumente, Arzneiflaschen und Bücher,
- einen historischen Apothekentisch mit Waage,
- und eine Sammlung von Kräutern und Heilpflanzen, die damals zur Behandlung eingesetzt wurden.
Ein Ort, der gleichermaßen lehrreich und in meinen Augen auch maximal faszinierend ist.
- Alte Medizingeräte, Arzneiflaschen und Kräuter
- Ein alter Apothekentisch inkl. Waage
- Im Kräuterdachboden
Anreise, Öffnungszeiten, Eintrittskosten
- Das außergewöhnliche Museum befindet sich 9a St. Thomas Street, SE1 9RY London.
- Nächste Tube Station: London Bridge (Northern Line oder Jubilee Line). Folge der Beschilderung Richtung „The Shard“, biege dann rechts ab – das Museum liegt auf der rechten Seite in einer kleinen Barockkirche.
- Die Öffnungszeiten sind Montags von 14 bis 17 Uhr, von Dienstag bis Sonntag von 10.30 bis 17 Uhr.
- Da das Museum nicht stattlich gefördert wird, wird für den Eintritt ein Preis fällig. Die £10 für einen Erwachsenen (Stand Oktober 2025) kommen aber dem Museum Zugute und sind meiner Meinung nach gut investiert.
- Wichtig: Das Museum ist aufgrund der historischen Bauweise nicht rollstuhlgeeignet. Um zum Eingang zu gelangen, müssen 52 sehr schmale Wendeltreppenstufen genommen werden. Es gibt keinen Lift.
- Akuelle Infos und Events werden regelmäßig auf der Homepage vom Operating Theatre gepostet.
- Bei ausgewählten Events darf man auch auf dem OP Tisch Probe liegen
Ein Besuch im Old Operating Theatre ist nicht nur ein Ausflug in die Geschichte der Medizin – es ist auch eine Reise in ein fast vergessenes Kapitel des viktorianischen Londons. Immer noch ein Geheimtipp, der touristisch nicht zu überlaufen ist.
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- Der Eingang zum Old Operating Theatre in London
- Das Museum steht nahe The Shard
Wenn du schon in der Gegend bist, kombiniere doch mit einem Besuch im The Shard (für London aus der Vogelperspektive oder ausgefallenen Afternoon Tea) oder – falls der Hunger kommt – besuche den Borough Market für eine Stärkung.










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