Last Updated on 16. Februar 2026

Pitzhanger Manor London – Sir John Soanes verborgenes Meisterwerk in Ealing

Wenn man an London denkt, dann kommen bei vielen sofort Big Ben, Buckingham Palace, der Tower of London oder die Tower Bridge in den Sinn. Dabei gibt auch abseits der Touristenströme so wundervolle Orte zu entdecken. Einige davon habe ich im Post „Insider Tipps abseits der Touristenpfade“ beschrieben. Im heutigen Post kommt ein weiterer besonderer Ort dazu: Pitzhanger Manor in Ealing. Das historische Landhaus von Sir John Soane verbindet Architektur, Lichtgestaltung und Geschichte auf einzigartige Weise und zählt zu meinen spannendsten Hidden-London-Sehenswürdigkeiten und ist jetzt schon eine Neuentdeckung in 2026.

Bevor wir uns aber mit dem Gebäude beschäftigen, ein kurzer Exkurs, um den berühmten Bauherrn näher kennenzulernen.

Sir John Soane – Architekt, Visionär, Lichtkünstler

Sir John Soane (10.09.1753–20.01.1837) war einer der prägendsten Architekten Londons. Zu seinen bekanntesten Werken zählt der Umbau der Bank of England sowie sein eigenes Wohnhaus, in dem sich heute das Sir John Soane’s Museum befindet.

Soanes Architektur zeichnet sich durch:

  • innovativen Einsatz von Tageslicht
  • überraschende Raumfolgen
  • klassische Formen mit moderner Wirkung

aus – Prinzipien, die er in Pitzhanger Manor London erstmals umfassend erprobte.

Pitzhanger Manor – Soanes architektonisches Experiment

Soane kaufte das Anwesen im Jahr 1800 für £4,500 und baute es von 1800 bis 1804 zu einem Haus um, das auf der einen Seite seine architektonischen Fähigkeiten und sein Talent zeigen sollte, auf der anderen Seite entstand hier der ländliche Familiensitz der Soanes.

Das Gebäude wirkt bis heute erstaunlich modern: Licht fällt durch Oberlichter, Räume öffnen sich fließend ineinander, Perspektiven verändern sich mit jedem Schritt. Der Upper Drawing Room hat mir persönlich am meisten gefallen.

Neben dem Wohngebäude befanden sich die Dienerquartiere, verbunden durch einen Säulengang. 1844 wurde dieser jedoch zerstört und erst bei den neueren Restaurierungen wieder errichtet.

  • Fun Fact: Am Boden bzw. im Rasen um den Säulengang befinden sich vereinzelte Überreste einer vermeintlich römischen Ruine. Soane ließ diese platzieren und erzählte seinen Gästen, dass er beim Umbau auf die Überreste eines römischen Tempels gestoßen sein. Das war Teil seines „Plans“, seine Gäste gut zu unterhalten.
  • Fun Fact 2: Den Raum, von denen man hinunter auf die „römische Ruine“ blicken konnte, ließ Soane mit schwarzer, handbedruckter Tapete auskleiden. Ein Teil der Originaltapete ist bei den Restaurierungsarbeiten entdeckt worden. Man vermutet, dass der dunkle Raum die volle Aufmerksamkeit auf die Ruine lenken sollte.

Auf der Rückseite des Hauses – mit Überblick auf den Garten – errichtete Soane „The Gallery“ oder auch „The Conservatory“, einen überdachten Bereich mit großen Fenstern, in den dem die Gäste sowohl den Garten, aber auch Soanes Skulpturensammlung bewundern konnten. Dieser Bereich wurde 1901 abgerissen, konnte aber anhand von Fotos wieder nachgebaut werden.

Fun Fact: eigentlich war ein nicht überdachter Bereich geplant, aber aufgrund des britischen Wetters entschied sich Soane für die überdachte Variante.

Das Treppenhaus ist lichtdurchflutet, was das große Oberlicht ermöglicht. Eine große Minerva Statue erwartet einen, wenn man die Treppen erklommen hat. Soane glaubte an das Recyclen. Man vermutet, dass die Eisenarbeiten der Treppe aus dem Haus stammen, das vorher an gleicher Stelle stand.

In Pitzhanger Manor wollte Soane mit seinen Söhnen John und George eine Architekten-Dynastie gründen, was sich jedoch nicht erfüllte (die Söhne entpuppten sich als Enttäuschung). Das Haus wurde daher 1810 wieder verkauft.

Nach Soanes Besitz

Nach Soanes Zeit wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer. 1900 kaufte der örtliche Gemeinderat von Ealing den Besitz und richtete dort eine öffentliche Bibliothek ein. Auf dem Gelände wurde 1939 ein neues Gebäude errichtet, heute die Pitzhanger Gallery. Seit 1985 ist Pitzhanger Manor für die Öffentlichkeit geöffnet, Pitzhanger Manor Gallery bietet seit 1996 zeitgenössische Kunstausstellungen. Von 2015 bis 2019 wurde das Anwesen umfassend restauriert, um es wieder an Soanes ursprüngliche Gestaltung anzunähern.

Pitzhanger Manor heute – ein Hidden Gem erleben

Gemeinsam mit dem angrenzenden Walpole Park ist Pitzhanger Manor ein ideales Ausflugsziel im Westen Londons. Trotz seiner historischen Bedeutung ist der Ort angenehm ruhig – perfekt für alle, die London jenseits der klassischen Sehenswürdigkeiten erleben möchten.

Kunstwerke rund ums Gelände

Vor dem ehemaligen Haupteingang befinden sich mehrere Kunstwerke.

Julian Opie’s digitale Skulpture Curly Hair

2 m hoch ist die digitale Skulptur einer Person im Mantel, die mit stetem Schritt auf das Gebäude zuläuft. Das Geschlecht lässt sich nicht eindeutig bestimmen, wohl aber, dass das Haar ein wenig gewellt ist. „Curly Hair“ von Julian Opie war 2021 Teil einer Solo-Ausstellung des Künstler, die in Pitzhanger Manor und dem Walpole Park stattfand. Die Öffentlichkeit fand die bewegte Kunst so schön, dass sie einen Sammelspendenaufruf organisierte und das Kunstwerk seitdem dauerhaft vor Ort steht.

Ggf. kommt dir dieses Kunstwerk ein wenig bekannt vor. Denn am Ende der Carnaby Street steht ein ähnliches. „Shaida Walking“ stammt ebenfalls von Opie und ist eins von vielen Kunstwerken, die die Shoppingstraße verschönern.

Prem Sahib’s Bronze Apotropaic (2025)

Bei meinem Besuch im Februar 2026 stand auch die Statue von Prem Sahib im Garten. Sie zeigt einen goldenen Hoodie, der auf dem Rasen steht, Arme und Kapuze hängen kraftlos herab. Dahinter stützt sich ein schwarzer Hoodie auf den Schultern ab. Die Kapuze schaut gerade nach vor, die Ärmel liegen auf den Schultern. Ob sie dabei unterstützend, tröstend oder vorwärts schieben, das liegt wohl im Auge des Betrachters.

Der Walpole Park

Direkt hinter Pitzhanger Manor erstreckt sich der idyllische Walpole Park, ein 28 Hektar großer öffentlicher Park, der zwischen 1801 und 1806 als Teil von Soans Landsitz in Zusammenarbeit mit dem Kew Gärtner John Haverfield geschaffen wurde. Soane ließ hier seine Vision eines landschaftlichen Gartens mit geschwungenen Wegen, einem Serpentinen-See und einer malerischen Brücke umsetzen.

Die schon existierende historische Brücke stammt aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Soane ließ die ehemals deutlich einfachere Brücke mit Feuerstein und dekorativen Elementen verschönern. Jetzt wirkt sie eher wie ein antiker römischer Tempel (man vermutet, dass Soane sich von seinen Italienreisen hat inspirieren lassen).

Nachdem Soane das Anwesen 1810 verkauft hatte, wechselte es mehrfach den Besitzer. Mitte des 19. Jahrhunderts verfiel die Anlage zunehmend, bis der Stadtrat von Ealing 1900 das Anwesen erwarb und den Park 1901 als öffentlichen Raum öffnete.

Im 21. Jahrhundert wurde Walpole Park umfassend restauriert, um sowohl Soanes ursprünglichen Landschaftsgarten zu betonen als auch moderne Freizeit-Angebote zu integrieren. Heute bietet er:

  • viele Rasenflächen und historische Gartenanlagen
  • den Serpentine-See
  • Spielplätze und Picknick-Bereiche
  • ein Café
  • Informationsstationen zu Tier- und Pflanzenwelt
  • Im Boden eingelassene goldene Infotafeln, die die Verbindung zu Soane herstellen
  • Einen 2022 im Rahmen des Black History Month eröffneten Gartenbereich, der den vielen Menschen der Windrush Generation gedenkt, Menschen, die zwischen 1948 und 1971 aus der Karibik nach Großbritannien kamen

Nützliche Infos für deinen Besuch

  • Anreise: Mit der District Elizabeth Line bis Ealing Broadway, anschließend ein kurzer Spaziergang (ca. 10 Minuten).
  • Öffnungszeiten, akuelle Events und die Buchung der Eintrittskarten kannst du auf der Webseite von Pitzhanger Manor vornehmen.

Fazit

Pitzhanger Manor London ist mehr als eine Sehenswürdigkeit – es ist ein stilles Meisterwerk. Wer sich für Architektur, Geschichte und die eher versteckteren Ecken Londons interessiert, der sollte einen Besuch unbedingt einplanen.