Street Art ist für mich Ausdruck einer Stadt. Modern, auf den Punkt gebracht, bunt, kritisch, schnelllebig. Wenn ich in einer neuen Stadt bin entdecke ich gerne die Ecken, wo man Street Art geballt findet. Aber auch in Städten, wo ich mich auskenne (London, München, Berlin) ist es immer wieder spannend die bekannten Ecken auf neue Kunstwerke abzusuchen. Die sind manchmal nur tagelang zu sehen und dann entweder von anderen Künstlern übermalt, zerstört oder übertücht. Aber das macht für mich auch den Reiz aus. Street Art ist unberechenbar, du findest immer wieder was Neues, kannst aber auch „alte Bekannte“ treffen, die sich bereits seit Jahren an den Wänden halten. Natürlich gefällt mir nicht jeder Stil oder Künstler. Da ist die Strassenkunst für mich nicht anders, als das was ich im Museum finde. Entweder es gefällt oder eben nicht.

Street Art im Londoner East End

London hat gleich mehrere Ecken, wo du Street Art hoch konzentriert findest. Im East End, rund um die Brick Lane, findest du in den Hauseingängen und Hinterhöfen, in Seitenstrassen und in Tunneln, sogar an den Rollläden der Geschäfte wundervolle, teils bunte Zeichnungen und Mosaike, sogar geklebte, plastische Kunstwerke findest du hier vor. Ich verspreche dir, hier kommst du aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Du kannst problemlos auf eigene Faust starten und dich z.B. ab der „Aldgate East“ Station die Brick Lane herunterarbeiten. Wenn du allein sein möchtest, komme früh morgens bevor die Geschäfte öffnen, denn nur dann sind auch die Kunstwerke auf deren Rolläden sichtbar.

Wenn dir lieber nach einer geführten Tour zu den Hotspots ist, gibt es mehrere Anbieter. Ich persönlich bin großer Fan von Urban Street Art Tours London. Die bringen dich nicht nur an so manche Geheimecke, sondern erklären auch die Hintergründe der Kunstwerke. Denn jedes will eine andere Botschaft vermitteln. Die sind oft politisch, ermahnend und klagend (gegen Krieg, Ausbeutung…). Übrigens, im nächsten Post berichte ich dir wie meine Tour mit Urban Street Art Tours London war und unser Guide Cris verrät dir im Interview wie er zur Street Art kam und wo seine liebsten Spots sind.

Shoreditch – hippes Viertel mit jeder Menge Street Art

In unmittelbarer Nachbarschaft der Brick Lane befindet sich der Stadtteil Shoreditch. Hier geht es lässig und alternativ, aber auch extrem hip zu. Du findest hier nicht nur Galerien und Startups, sondern auch das Pop-Up Mall „Boxpark“. In übereinander gestapelten Schiffskontainern werden Klamotten, Kosmetik und Accessoires verkauft, es gibt Essensstände und abends oft live Musik. Und dann gibt es hier eben auch ganz viel Street Art. Es gilt wieder: die Augen offen halten, mal in Hinterhöfe schauen, die Perspektive wechseln und an Häuserwänden ganz nach oben schauen.

Eine Besonderheit für mich ist in Shorditch die Arbeit von Borondo, am Fenster vom „Bull in a China Shop “ Restaurant. Der spanische Künstler hat dazu Menschen in Glas geritzt und dann mit weißer Farbe hinterlegt. Eine ganz andere Art von Street Art, die aber auch von hohem künstlerischem Können zeigt.

Der Londoner Norden lockt mit Street Art in Camden

In Camden, im Norden von London, befindet sich ein weiterer Hotspot für Street Art. Wenn du gut zu Fuß bist, steige bereits „Mornington Cresent“ aus und laufe in Richtung „Camden High Street“. Halte die Augen offen und finde tolle Stücke an Hauswänden, in Hinterhöfen und Hauseingängen. Laufe auch immer mal die Seitenstrassen lang, hier sind oft tolle Gemälde versteckt.

Hier in der Gegend findest du auch die 9 Stationen des „Amy Street Art Trails“, der zu Ehren von Amy Winehouse im März 2017 geschaffen wurde.

Mehr Infos zum Trail und seinen Kunstwerken sowie zur dazu gehörigen Ausstellung im Jüdischen Museum findest du in den Blogposts Amy Winehouse Street Art Trail und Amy Winehouse Ausstellung und Street Art im Jüdischen Museum. Rund um die Camden High Street und auch in der Nähe des Camden Lock Market findest du weitere gute Stücke.

Street Art im Tunnel – Leake Street oder auch der Banksy Tunnel

Bis vor einem Jahr war mir der folgende Ort noch völlig unbekannt: der Tunnel in der „Leake Street“ unterhalb der Waterloo Station. Ja, richtig gelesen. Unterhalb des großen Bahnhofs gibt es Gewölbe und Tunnel, die die Künstler und Sprayer für sich entdeckt haben. Die Lichtverhältnisse sind hier nicht so gut und da es ein Tunnel ist, riechst du die Farben auch stärker (wenn du Künstler live beobachten kannst bzw. die Arbeiten noch ganz frisch sind). Aber dadurch gibt es hier auch eine ganz eigene Atmosphäre.

Wenn du schon mal hier bist, schau doch mal im „House of Vans“ vorbei. Dort kannst du skaten oder Burger essen. Oft gibt es hier auch Ausstellungen oder Kinovorführungen. Manchmal wird der Tunnel auch „Banksy Tunnel“ genannt, weil dieser in 2008 dort das „Cans Festival“ hatte und der Tunnel erstmalig besprayt wurde. Und irgendwie wäre dieser Post nicht komplett, wenn wir nicht mal kurz von ihm sprechen würden. Banksy, für viele DER Street Artist schlechthin. Noch immer ist das Geheimnis um seine Identität ungelüftet und man weiß nur, dass er aus Bristol kommt und dass seine Karriere in den 90ern startete. Es gibt immer wieder Überlegungen, ob Banksy am Ende eine Frau ist oder vielleicht sogar eine ganze Gruppe an Künstlern. Banksy hat mittlerweile internationalen Ruhm erlangt und seine Kunstwerke finden sich weltweit. Das führt aber auch immer wieder dazu, dass diese „abmontiert“ und für teures Geld in Auktionen verkauft werden. Ich persönlich finde es mega uncool, dass Street Art, die draußen, für jeden zugänglich und kostenlos zur Verfügung stehen soll von den Originalorten entfernt und als Sammlerobjekt hinter Tresorwänden verschwindet. Was hältst du davon, wenn Street Art abmontiert und verkauft wird? An welchen Orten hast du schon tolle Street Art in London entdeckt und wer ist dein Lieblingskünstler? Für weitere Inspirationen zum Thema Street Art in London schau doch auch mal bei Jessica von Yummy Travel vorbei, die sich die Brick Lane und das Eastend mal genauer angesehen hat.

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