Last Updated on 12. März 2019 by Simone Kunisch

Kann ein Bahnhof auch eine Kunsthalle sein? Die St. Pancras International Station zeigt, dass das geht. Sie bietet Reisenden und Wartenden mehrere Skulpturen zum Ansehen und Bestaunen.

Kunst in der St. Pancras International Station

Der Bahnhof St Pancras International ist An-und Abfahrtsort für viele Züge, z.B. für den Eurostar in bzw. aus Richtung Brüssel und Paris und die Züge ins restliche England. Wie man das von großen Bahnhöfen gewohnt ist, findet man hier eine Vielzahl an Restaurants und Cafés, Shops und Supermärkten. Das alles ist noch nicht so richtig einzigartig.

Aber: St Pancras International verfügt über einzigartige Kunstobjekte, die einen Besuch sehr empfehlenswert machen. Zwei davon wurden für die Neu-Eröffnung der Station (nach umfangreichen Umbauten für den Eurostar) Ende 2007 erworben. Diese beiden schauen wir uns jetzt mal genauer an.

Ein Bahnhof als Kunsthalle

Überwältigend finde ich die 9 m hohe Bronzeskulptur „The meeting place“ – auch die Liebenden von St Pancras. Der britische Künstler Paul Day  zeigt ein eng umschlungene Paar. Er – mit Anzug und kleinem Rucksack auf dem Rücken – hat seine Hände auf ihren Hüften abgelegt. Sie – im Rock und hohen Schuhen – umfasst sein Gesicht. Die Köpfe berühren sich. Ob sie sich voneinander verabschieden oder willkommen heißen? Das interpretiert wohl jeder anders. Schau dir auf jeden Fall auch den Sockel der Statue an. Er zeigt viele Details – ein Blick aus der Nähe lohnt sich also. Das Thema Reisen, Ankunft und Abschied, all das ist hier verarbeitet. Und wenn du schon mal nahe davorstehst, berühre doch auch DIE kleine Hand. Du wirst sie sofort erkennen, sie glänzt schon, weil sie bereits so oft angefasst wurde. Weil es angeblich Glück für die Reise bringt…

Die Statue steht ziemlich genau unterhalb der großen Dent Uhr. Sie schaut sehr edel aus, in gold und schwarz auf weißem Untergrund.

Auf gleicher Ebene (also auch im ersten Stock) findest du in direkter Nachbarschaft von den Liebenden die Erinnerungsstatue an Sir John Betjeman. Der war Poet und leidenschaftlicher Eisenbahnfan und hat den Bahnhof in den 1960ern vor dem Abriss bewahrt. Schön, dass man ihn auf diese Weise ehrt. Ist auch kaum vorstellbar, dass man dieses schöne alte Gebäude wirklich abreißen wollte.

Du siehst einen ca. 2 m großen älteren Herren, der schick gekleidet – mit Weste und Krawatte – den Blick in den Himmel hebt. Er hält seinen Hut schützend am Kopf fest, der Mantel wird ein wenig nach hinten aufgeweht. In seiner rechten Hand trägt er eine größere Tasche. Betjeman steht auf einer Plakette mit Zitaten aus seinen Gedichten.

Eine schöne Anekdote zu seinem Mantel: am Rücken wird der Mantel aufgewölbt und bildet einen Bogen. Der Schwung dieses Bogens erinnert an die Bögen der St Pancras Station. Die Statue stammt übrigens von Martin Jennings.

Olympia Nostalgie Feeling

Ein wenig neuer als die eben beschriebenen Statuen sind die bunten Bänke, die vor den Plattformen der Southeastern Züge aufgestellt sind. Sie sind Teile der Olympischen Ringe, die zur Zeit der Sommerspiele in 2012 in der Station hingen. Man hat die Ringe recycelt und zu Sitzmöbeln umfunktioniert. Ziemlich cooles Upcycling!

Ein riesiger Vogelkäfig mit Schaukel

Eine wirklich tolle Attraktion findest du draußen vor der Station auf dem Battle Bridge Place. Ein 9 m hoher weißer Vogelkäfig. Die Stäbe sind so gesetzt, dass du hindurch laufen und im Inneren auf der Schaukel Platz nehmen und schaukeln kannst. Das Wunderwerk heißt „IFO“ = identified flying object, ist von Jaques Rival und wird nachts in Neonfarben beleuchtet.

Ausgangspunkt für weitere Erkundungstouren

Die St. Pancras Station ist neben einer Sammlung toller Kunst (und natürlich einem Bahnhof) auch Startpunkt für diverse Museen, die du von hier gut zu Fuß erreichen kannst. Das „London Canal Museum“ ist ca. 10 Minuten von hier entfernt, das „Charles Dickens Museum“ bzw. Postal Museum in jeweils knapp 20 Minuten erreichbar.